Prostitution – abschaffen oder anschaffen?

  • Dienstag, 26. November 2013, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 26. November 2013, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 27. November 2013, 1:35 Uhr, SRF 1
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    • Donnerstag, 28. November 2013, 4:00 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 28. November 2013, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 30. November 2013, 14:10 Uhr, SRF 1

Die käufliche Liebe polarisiert. Die einen wünschen sie zum Teufel, die anderen wollen das Gewerbe salonfähig machen. Beide Lager argumentieren im angeblichen Interesse der Prostituierten: Verbieten oder legalisieren? Moral und das Recht auf Selbstbestimmung stehen auf dem Spiel – auch im «Club».

Geschätzte 25‘000 Prostituierte bieten in der Schweiz käuflichen Sex an. Rund 10 Prozent von ihnen arbeiten auf dem Strassenstrich, der Rest schafft in Saunaclubs, Hotels, Bordellen oder in Privatwohnungen an. Knapp 9 Millionen Franken werden in der Schweiz pro Tag in die Prostitution investiert. Vier von fünf Männern haben schon einmal die Dienste einer Prostituierten in Anspruch genommen, einer von fünf tut es dauerhaft.

Das Gewerbe floriert, jedoch nicht zur Freude aller. Anwohner fühlen sich belästigt, wollen das Geschäft mit dem käuflichen Sex aus ihrer Umgebung verbannen. Andere sorgen sich um den Menschenhandel und das seelische Verderbnis, denen die Prostituierten ausgesetzt seien. Doch diese wollen sich in aller Regel nicht von selbsternannten Helferinnen ins Geschäft reden lassen. Sie wollen selber bestimmen, wie sie ihr Geld verdienen.

In Deutschland rückt die Feministin Alice Schwarzer das Thema auf die politische Ebene: Sie fordert ein Verbot der Prostitution. Prostitution sei keine Dienstleistung, Menschen keine Ware. Auch in Frankreich wird ein gesetzliches Verbot diskutiert. Die Bestrafung von Freiern wird in verschiedenen europäischen Ländern bereits praktiziert; so zum Beispiel seit 1999 in Schweden.

Nun fordern Politiker vom Bundesrat bis 2015 einen Bericht darüber, welche Auswirkungen ein Verbot in der Schweiz haben würde. Gleichzeitig stehen aber auch Forderungen nach mehr Rechten für die Prostituierten im Raum. So ist die Prostitution in der Schweiz seit 1942 zwar legal, doch noch fehlt den Prostituierten die zivilrechtliche Anerkennung, weil ihr Beruf noch immer als «sittenwidrig» gilt. So kann sie z.B. ihren Lohn nicht einklagen, wenn ein Freier sich weigert, zu zahlen.

Welche Folgen hätte ein Prostitutionsverbot in der Schweiz? Zwingt es die Frauen in die Illegalität, wo sie noch weniger Schutz hätten als heute. Ist die Prostitution a priori patriarchale Gewalt, ein Verstoss gegen die Menschenwürde? Oder aber begegnen sich Prostituierte und Freier auf Augenhöhe, wenn die Prostitution dereinst zum «normalen Beruf» wird und nicht länger als sittenwidrig gilt?

Unter der Leitung von Karin Frei diskutieren im «Club»:

Lea Bösiger, Beraterin bei der Anlauf- und Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen «Isla Victoria» der Zürcher Stadtmission
Peter Briggeler, Freier-Berater «Don Juan» der Aidshilfe Bern
Brigitte Obrist, ehemalige Sexarbeiterin
Julia Onken, Psychologin, Feministin und Autorin
Andrea Gisler, Präsidentin der Zürcher Frauenzentrale
Alexander Ott, Leiter Fremdenpolizei Stadt Bern

Beiträge

  • Moderatorin Karin Frei

    Über Prostitution im Clinch zwischen Selbstbestimmung und Moral diskutieren folgende Gäste:

  • Brigitte Obrist

    Wie freiwillig und autonom üben Prostituierte ihren Job aus?

  • Julia Onken

    Machen sich Sexarbeiterinnen etwas vor, wenn sie behaupten, sie könnten ihre Seele beim Sex gegen Geld schadlos halten?

  • Lea Bösiger

    Warum wählen Frauen den Job der Prostituierten und üben sie ihn gern aus?

  • Alexander Ott

    Das soziale Spektrum der Frauen, die sich für die Prostitution entscheiden, ist so breit wie deren Motive:

  • Peter Briggeler

    Die Frage des freien Entscheides sollte auch im Kontext der materiellen Notlage vieler Frauen gesehen werden:

  • Filminterview

    Bruno Kaufmann, SRF-Nordeuropa-Korrspondent, über die Abschreckungswirkung des Prostitutionsverbots in Schweden auf Freier und Frauen:

  • Andrea Gisler

    Kann mit dem schwedischen Modell die Prostitution zum Verschwinden gebracht werden?