Reden ist Silber - Schweigen ist Glück

Nach langem Suchen hat die Zen-Meisterin Anna Gamma für sich einen Weg gefunden, in Hektik und Chaos klar zu sehen und zu denken. Sie taucht in die Stille ab. Gamma berät Menschen in Krisensituationen.

Psychologin Anna Gamma  in einem Park

Bildlegende: Zen-Meditation ist «eine Welt-Innen-Reise», erklärt die Psychologin Anna Gamma. SRF

Wo haben Sie in Ihrem Leben Halt gesucht?

In Situationen grosser Not habe ich meist Halt bei vertrauten Menschen gesucht. Und auch in der Psychotherapie - diese beiden Faktoren haben mir einen guten Resonanzraum vermittelt, um Ruhe zu finden und wieder in Kontakt mit mir selber zu kommen.

Gab es noch andere Hilfsmittel und Wege?

Durchaus - heute gibt die Meditation meinem Leben den Rahmen, damit verbunden ist Stille und Schweigen. Den grössten Halt findet man glücklicherweise in sich selbst. Mystikerinnen und Mystiker nennen dies den «inneren Himmel». Viele von uns haben leider den Kontakt zum «inneren Himmel» verloren. Ich kenne Depression aus meiner eigenen Lebensgeschichte. Als ich mit der spirituellen Suche begann, war ich gefangen in der «innere Hölle». Damit meine ich die negative Erfahrungswelt, das Erleben vom totalen Abgeschnitten Sein vom Leben und der Liebe. Die meisten Menschen kennen Ähnliches. Die «innere Hölle» bricht dann auf, wenn man über längere Zeit nur noch funktioniert, sich im Hamsterrad bewegt hat. Es ist doch unglaublich befreiend, dass man für sein eigenes Wohlbefinden letztlich ausschliesslich selbst verantwortlich ist. Unsere innere Mitte ist der grösste Halt den wir haben. Alles andere kann verloren gehen, Geld, Ansehen, materielle Güter - das Innehalten, der Atem und die Stille sind ein wichtiger Schlüssel zum inneren Halt und zur Geborgenheit. Sicheren Halt können wir nicht kaufen. Er ist in uns und gehört für immer uns.

Die Landeskirchen sind leer - wer führt gemeinsame, verbindliche Werte weiter?

Ich gehöre noch zu einer Generation, in der die Volkskirche lebendig und die Kirche auch an Wochentagen voll war. Jeder musste zur Messe - zu diesem System gehörten vor allem Kontrolle und Druck. Wer sich der kirchlichen Gemeinschaft widersetze, musste mit Konsequenzen rechnen. In meiner Jugend wurde die Messe noch auf Lateinisch gelesen, wir Kinder konnten gar nichts verstehen. Ich frage mich also: Hat die Volkskirche wirklich wesentliche menschliche Werte transportiert? Ich zweifle daran. Ich nehme wahr, dass in der Postmoderne kleinere Gemeinschaften tragfähige Netze bilden, die der Boden für spirituelle Werte sind. Die grossen, hierarchischen Institutionen haben mehr und mehr ausgedient. In der Zeit der Globalisierung suchen viele Menschen nach Halt und Heimat in kleineren Wahlgemeinschaften, in der Mitbestimmung möglich ist.

Können Sie bitte all jenen eine «Kurzanleitung» in Meditation geben, die sich noch nie damit beschäftigt haben?

In Momenten diffuser Ängste oder seelischer Not rate ich, tief einzuatmen und beim Ausatmen «Ja» zu sagen. Das kann man beliebig wiederholen. So beruhigt sich Aufregung und Unsicherheit schnell wieder und man ist in der Lage, Notwendiges wieder frisch anzupacken.

Sendung zu diesem Artikel