Showtime in Bern

  • Dienstag, 6. Oktober 2015, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 6. Oktober 2015, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 7. Oktober 2015, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 7. Oktober 2015, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 8. Oktober 2015, 4:00 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 8. Oktober 2015, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 10. Oktober 2015, 14:05 Uhr, SRF info

Köppel auf dem Klo, Grunder in Boxershorts – der Wahlkampf entpuppt sich als Wettbewerb des Klamauks. Politiker und Parteien inszenieren sich in Clips so emsig wie Bienen, so stark wie Bären, so ausdauernd wie Pferde. Ob peinlich oder lustig, vor lauter Show gehen die Inhalte unter.

Im Kampf um Aufmerksamkeit ist Politikerinnen und Politikern kein Mittel zu billig. Neu findet der Wettstreit auch im Netz statt. In Videoclips präsentieren sie sich als Feen hoch zu Ross, als smarte Rapper, als sexy Landschönheiten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Kritiker des neuen Polittheaters kritisieren die inhaltslose Profilierungssucht und den Narzissmus der Kandidaten. Sie hegen auch grösste Zweifel, ob die Clips die Wahlchancen erhöhen. Sie befürchten eine Infantilisierung der politischen Kultur und den Verlust der Debattierkunst. Weil die Inhalte auf der Strecke bleiben, hätten Wählerinnen und Wähler keine ausreichende Entscheidungsgrundlage, wen sie nach Bern schicken wollen.

Schon bei den Anforderungen scheiden sich die Geister: Für die einen soll der Politiker ein Vorbild ohne grössere Makel sein. Andere wählen genau jene, die auch mit einer nicht mehr ganz weissen Weste noch als Volksvertreter glaubwürdig erscheinen mögen: nobody is perfect!

Was erwarten die Wähler von ihren Volksvertretern im Parlament? Worauf schauen sie, bevor sie die Wahlzettel ausfüllen? Siegt die Show, die Besonnenheit oder gar beides?

Im «Club» analysiert Thomy Scherrer mit Insidern, Werbern und Politstrategen die neuen Dimensionen des Wahltheaters.

David Schärer, Werber und Geschäftsleiter Zürcher Agentur «Rod».
Alexandra Molinaro, Stv. Geschäftsleiterin Dachverband Schweizer Jugendparlamente, Mitbegründerin «easyvote».
Sonja A. Buholzer, Managementberaterin, Unternehmerin, Buchautorin.
Louis Perron, Politberater, Politologe.
Filippo Leutenegger, Alt-Nationalrat FDP, ehemaliger Medienunternehmer, Zürcher Stadtrat.
Michael Hermann, Politgeograph, Leiter Forschungsstelle «Sotomo».

Positionen:

David Schärer: «Unauffälligkeit kann sich nicht leisten, wer ins Parlament einziehen will. Gewählt wird, wer den Kampf um Aufmerksamkeit gewinnt. Den Kampf um Aufmerksamkeit gewinnt, wer es versteht, seine Botschaft einer grossen Öffentlichkeit zu präsentieren – also zu inszenieren.»

Alexandra Molinaro: «Die Jugendlichen wollen keinen apolitischen Spasswahlkampf, sondern eine sachliche und seriöse Diskussion über die grossen politischen Herausforderungen der Zukunft. Nur so ist es möglich herauszufinden, welche Parteien und welche PolitikerInnen am besten ihre Interessen im Bundeshaus vertreten.»

Sonja A. Buholzer: «Aus einem Kieselstein kann auch der beste Werber keinen Diamanten schleifen: Nach Bern gehören durch und durch politisch motivierte Persönlichkeiten, die ihre Lebenszeit, ihr tiefes Engagement für die Schweiz, ihre Stärken, Talente und ihr politisches Commitment für unser Land einsetzen und damit der Schweiz dienen wollen. Alle andern Motive sind unwesentlich und sogar schädlich.»

Louis Perron: «In einem Wahlkampf gibt es zwei wichtige Dinge: Form und Substanz. Das ist in den USA so, und in der Schweiz nicht anders.»

Filippo Leutenegger: «Am Schluss zählen Themen und die Glaubwürdigkeit.»

Michael Hermann: «Weil in der Schweiz panaschiert und kumuliert werden kann, ist sich kein Politiker seines Listenplatzes sicher. Das fördert den Showkampf: alle gegen alle. Mit Social Media sind sie nun ständig auf Sendung. Im politischen System der Schweiz haben narzisstische Selbstdarsteller besonders gute Chancen. Sie werden nicht durch Koalitionsverträge und Parteihierarchien zurückgebunden und können sich mit Volksinitiativen Gehör verschaffen.»

Beiträge

  • Moderator Thomy Scherrer stellt die Gästerunde vor

    Im «Club» analysiert der Moderator Thomy Scherrer kurz vor den Nationalratswahlen 2015 mit Insidern, Werbern und Politstrategen die neuen Dimensionen des Wahltheaters.

  • David Schärer, Werber und Geschäftsleiter Zürcher Agentur «Rod»

    Der Werber ist davon überzeugt, dass es für eine erfolgreiche Wahl ein gewisses Mass an Show braucht, damit ein Kandidat überhaupt wahrgenommen wird. In der Flut der täglichen Botschaften könne eine unauffällige Message schlicht untergehen. Show ohne Inhalte jedoch würden auch nicht von Erfolg gekrönt.

  • Alexandra Molinaro, Dachverband Schweizer Jugendparlamente

    Fehltritte von Politikern werden von der Bevölkerung ganz unterschiedlich taxiert. Nach dem Autounfall von FDP-Nationalrat Philipp Müller würden sich die Auswirkungen erst noch zeigen. Die Veruntreuungsgeschichte von Bruno Zuppiger (SVP) hat zu seinem Fall geführt. Politikerinnen und Politiker müssten nicht unbedingt eine schneeweisse Weste haben, ist Alexandra Molinaro überzeugt. Der perfekte Politiker sei gar nicht gefragt, viel mehr der authentische.

  • Sonja A. Buholzer, Managementberaterin, Unternehmerin

    Auch Sprachmanipulationen gehören zu den Strategien einer Partei. Sonja A. Buholzer analysiert den aktuellen SVP-Song und weist auf versteckte heikle Botschaften hin. Viele Wählerinnen und Wähler seien sich dessen gar nicht bewusst.

  • Louis Perron, Politberater, Politologe

    Der Austausch in den sozialen Medien kann Match entscheidend sein. Ihre Nutzung verspricht eine Nähe zu den Kandidatinnen und Kandidaten. Gerade in Kantonen, wo die Wähler einer Masse von Kandidaten ausgesetzt seien, würden die sozialen Medien wie Facebook, Twitter, etc. eine Annäherung auf persönlicher Ebene ermöglichen.

  • Filippo Leutenegger, Alt-Nationalrat FDP, Zürcher Stadtrat

    Macht und Geld als hauptsächlicher Antrieb für die Politiker? Filippo Leutenegger verneint die These des Politologen Louis Perron vehement. In der Schweiz könne man auch nicht von einer Amerikanisierung der Wahlen sprechen. Mit der Amerikanisierung der Wahlkämpfe ist dreierlei gemeint: Personalisierung, Mediatisierung, Professionalisierung.

  • Michael Hermann, Politgeograph, Leiter Forschungsstelle «Sotomo»

    Bei Abstimmungskämpfen geht es um Inhalte, die Bürger entscheiden sich für ein Ja oder ein Nein. Bei Wahlen spielen ganz andere Faktoren eine Rolle. Politologe Michael Hermann zeigt sich irritiert vom "Sauglattismus" verschiedener Kandidatinnen und Kandidaten und zweifelt an der Wirksamkeit von "lustigen Videos".

  • Strassenumfrage in Bern

    Nach welchen Kriterien wählen die Leute auf der Strasse ihre Nationalratskandidatinnen und -kandidaten? Und darf es auch etwas "Show" sein?

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