Transgender - das Geschlecht selbst bestimmen?

  • Dienstag, 11. August 2015, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 11. August 2015, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 12. August 2015, 2:30 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 12. August 2015, 8:35 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 12. August 2015, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 12. August 2015, 12:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 13. August 2015, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 13. August 2015, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 15. August 2015, 9:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 15. August 2015, 10:40 Uhr, SRF info
    • Samstag, 15. August 2015, 14:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 15. August 2015, 15:25 Uhr, SRF info

Transmenschen wollen ihr Geschlecht selber bestimmen können. In breiten Bevölkerungskreisen wird diesem Anliegen mit vermeintlicher Toleranz begegnet. Jedoch gibt es offene und versteckte Widerstände.

Wer seine Geschlechtsanpassung im Pass vermerkt haben will, muss sich als psychisch krank diagnostizieren lassen. Dies ist nur eine der Hürden, welche auf Menschen wartet, deren gefühltes Geschlecht ein anderes ist, als das biologische. Was macht es so schwer vom klassischen Geschlechterverständnis wegzukommen? Im erzkonservativen Polen sitzt eine Transfrau im Parlament. Die amerikanische Armee denkt laut darüber nach, Transmenschen zu akzeptieren. Seit Anfang Jahr können die Nutzer von Facebook frei entscheiden, welches ihr bevorzugtes Geschlecht ist.

In der Schweiz verlangen die allermeisten Gerichte für die amtlichen Änderungen den Beleg einer Fortpflanzungsunfähigkeit. Machen diese Hürden in der Schweizerischen Rechtspraxis Sinn? Was bedeutet eine Geschlechtsangleichung physisch und psychisch? Wie ist das, wenn eine Freundin, der eigene Mann oder das Kind das Geschlecht der eigenen Vorstellung angleichen möchte? Und wie selbstbestimmt ist man in der Wahl des Geschlechts wirklich?

Positionen der Gäste

Udo Rauchfleisch, klinischer Psychologe und Psychotherapeut: «Das Problem für Transmenschen ist, dass das innere und das äussere Bild nicht überein stimmt. Wichtig ist, dass jede Transperson den eigenen Weg wählt und entscheidet ob und wie der Körper angepasst wird.»

Claudia Meier, erste Transfrau in der Schweizer Armee: «Meine äusserliche Veränderung gibt mir und der Gesellschaft die Möglichkeit als normale Frau integriert und vollumfänglich akzeptiert zu werden. Um mich und mein Wesen leben zu dürfen.»

Niklaus Flütsch, Transmann, Gynäkologe: «Ich identifiziere mich seit meinem vierten Lebensjahr als Junge, als Mann, trotz weiblichem Körper. Für den Schweizer Staat kann man aber erst nach einer psychologischen Abklärung und einer Sterilisation offiziell zum Mann werden. Das ist ein unakzeptabler Eingriff in die Integrität eines Menschen.»

Markus Elmiger Vater von Pasquale Elmiger: «Ich appelliere an die Eltern ihre Kinder voll in diesem psychisch und physisch belastenden Weg zu unterstützen! Wir hören leider immer wieder, wie viele Jugendliche von der Familie allein gelassen werden!»

Pasquale Elmiger, Transmann: «Für mich war es nicht das Wichtigste ein "M" im Pass eingetragen zu haben, aber da ich sowieso die gesamte körperliche Geschlechtsangleichung machen wollte, war der Gedanke an Sterilisation nicht störend.»

Barbara Bleisch, Philosophin, Moderatorin SRF-«Sternstunde»: «Es ist elementarer Bestandteil unserer Freiheit, dass Lebensgeschichten Wendungen nehmen können, die von aussen wie ein Filmriss wirken, aus der Innenperspektive aber vollkommen logisch erscheinen.»

Beiträge

  • Karin Frei

    Die Moderatorin stellt ihre Gäste vor in einer Sendung, die Einblick gibt, mit welchen Hürden Transmenschen in unserer Gesellschaft konfrontiert sind. Zu Wort kommt eine Frau, die in einem Männerkörper, und zwei Männer, die in einem Frauenkörper geboren worden sind.

  • Udo Rauchfleisch: «Trans* hat nichts mit Krankheit zu tun»

    Der klinische Psychologe Udo Rauchfleisch begleitet viele Transmenschen bei ihrer Geschlechsangleichung. Aber: In gewissen psychologischen Diagnosesystemen gilt das Bedürfnis, sein biologisches Geschlecht dem gefühlten anzupassen, noch immer als psychische Erkrankung. Es gibt zwar mittlerweile verschiedene Bestrebungen diese Systeme anzupassen, eine befriedigende Lösung ist allerdings noch nicht gefunden.

  • Nik Flütsch, Transmann: «Die Transition kostet 30% den Job»

    Ein Bereich, der Transmenschen nach wie vor viele Hürden in den Weg stellt, ist das Berufsmilieu. Wer sich zu einer Geschlechtsangleichung entschliesst, muss damit rechnen entlassen zu werden. «30% aller Transidentitäten, die bei mir in der Praxis sind, verlieren in der Transition ihren Job», weiss Nik Flütsch, selber Transmann und Gynäkologe. Ausschlaggebend für den Umgang in einem Betrieb seien vor allem die Vorgesetzten. «Wenn der Chef mit im Boot ist, dann pariert in der Regel der ganze Betrieb» so Nik Flütsch weiter.

  • Claudia Meiers Vater über Outing: «Es war ein Chlapf an Gring»

    Ein Transmann oder eine Transfrau befasst sich meist während Jahren mit seiner/ihrer Identität, bevor die Angehörigen informiert werden. Für die Diskussionsrunde mit ein Grund, weshalb es für das Umfeld oft schwierig ist, eine solche Information gelassen hinzunehmen. In der Sendung «Reporter» hatten Claudia Meiers Verwandte bereits vor ein paar Jahren erzählt, wie sie auf die Nachricht reagierten. Es war Claudias Schwester, welche die Eltern ansprach.

  • Claudia Meier, Transfrau: «Mit dem Laufpass musste ich rechnen»

    Der Einspieler über die Reaktionen ihrer Familie und ihrer ehemaligen Lebenspartnerin geht Claudia Meier offensichtlich unter die Haut. Die Partnerschaft hat ihre Geschlechtsanpassung nicht überstanden. In der Beziehung wurde diesbezüglich sehr offen kommuniziert. Ihre Partnerin liess sie schon vor der Angleichung wissen, dass sie sie begleiten werde, aber nicht sicher sei, was danach komme. «Die Operation habe ich ja auch gemacht, um meine Sexualität zu leben», sagt Claudia Meier. Aber es sei schon nachvollziehbar, wenn das ein Partner nicht mitmachen könne.

  • Pasquale Elmiger, Transmann: «Ich durfte nicht auf die Toilette»

    In einer breiten Bevölkerungsschicht herrscht vermeintlich grosse Toleranz gegenüber Transmenschen. Dass sich das im Alltag aber oft als Farce erweist, zeigt ein Erlebnis von Pasquale Elmiger. In seinem Job als Verkäufer wurde ihm als Transmann der Gang auf die Toilette verboten. Sowohl Frauen als auch Männer könnten sich durch ihn sexuell belästigt fühlen, so die damalige Begründung. Derartige Diskriminierungen im Alltag zeigen, dass weitere Aufklärung und Information notwendig sind.

  • Markus Elmiger, Vater von Pasquale: «Wir hatten nie Zweifel»

    Die Diskussion im «Club» zeigt: Für Transmenschen gibt es noch immer viele Hürden auf dem Weg ihre Identität leben zu können. Markus Elmiger hat seinen Sohn Pasquale in diesem Prozess begleitet: «Zweifel hat es bei uns nie gegeben. Aber es hat immer wieder weh getan, wenn wir gesehen haben, dass Pasquale durch Komplikationen in seinem Prozess zurückgeworfen wurde.»

  • Barbara Bleisch: «Identität ist eine erzählte Geschichte»

    Warum tun sich Menschen so schwer in ihrer Akzeptanz, dass es Menschen gibt, die sich nicht ihrem biologischen Körper zugehörig fühlen? Viele definieren ihre Identität über die Muster der gesellschaftlichen Konventionen. Der Philosophin Barbara Bleisch greift diese Definition der eigenen Identität zu kurz: «Identität ist ein Narrativ. Es ist eine Geschichte, die man über sich selber erzählt und immer weiterspinnt.» Und sie fügt weiter an, dass Identität immer auch eine soziale Komponente habe. Deshalb brauche es für die Umgebung Zeit um die Wandlung einer Identität auch nachzuvollziehen.

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