Vom Trend zur Normalität - Schönheitsoperationen

Wer schön ist, hat bessere Chancen im Leben. Eine alte Weisheit mit einschneidenden Folgen. Operierte Schönheit gehört immer mehr zum Alltag. Die Schweiz steht international an der Spitze. Wird ein Trend zur Normalität?

«Wenn ich mich in in der Fitnessszene umhöre, so haben sich acht von zehn Frauen die Brüste machen lassen», sagt die 23-jährige Schweizermeisterin im Bodybuilding Jessica Gismondi. Noch vor wenigen Jahren wären es zwei von zehn gewesen.

Die Zahl der Menschen - Männer wie Frauen - die sich einer Schönheitsoperation unterziehen, steigt tatsächlich. Der Markt verzeichnete in den letzten Jahren ein durchschnittliches Wachstum von 3 bis 5%. Konkret sind das 54.000 Operationen. So die Auskunft von Acredis, einer Organisation, die für diverse Spezialzentren für Ästhetische Chirurgie Daten sammelt und sich um Qualitätsstandards bemüht.

Gleichzeitig wächst die Zahl jener, die ein lukratives Geschäft wittern. So warnen nicht nur Patientenstellen sondern auch renommierte plastische Chirurgen vor einem «Wildwuchs und immer mehr unqualifizierten Anbietern».

Kein Wunder, wird mit harten Bandagen gekämpft. Rabattangebote für «Busenfreundinnen», die sich doch gleich zusammen unters Messer legen mögen, rufen Ethikerinnen auf den Plan. Andere argumentieren, dass es innovative Ideen braucht, um Kundinnen vom Gang ins Ausland abzuhalten.

Wie selbstverständlich soll ein solcher Eingriff sein? Wird genügend auf die Konsequenzen hingewiesen? Und wie verändert der «gemachte Mensch» unsere Ideale und Werte?

Eine Clubdiskussion unter der Leitung von Karin Frei mit:

Jürg Häcki, Facharzt FMH für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
Jessica Gismondi, Kauffrau und Personaltrainerin, schönheitsoperiert
Kurt Oberländer, Rentner, schönheitsoperiert
Erika Ziltener, Schweizerische Patientenstelle
Lisa Schmalzried, Philosophin Universität Luzern

Positionen:

Jürg Häcki: «Es gilt, jedes Anliegen eines Patienten ernst zu nehmen. Es ist gefährlich, eine Person anhand des eigenen Wertsystems ins Recht oder Unrecht zu setzen.»

Jessica Gismondi: «Da ich eine gesundheits- und körperbewusste Person bin, welche sehr viel Sport betreibt, spielt für mich auch die Ästhetik eine wichtige Rolle.»

Kurt Oberländer: «Jugendlichkeit war schon immer mein Ding. Ich bin zu allem bereit, wenn ich damit den Alterungsprozess etwas aufhalten kann: sei es mit Fitness, guter Ernährung oder operativ.»

Erika Ziltener: «Eine gute Aufklärung über die Risiken und Erwartungen sind das A und O. Die Operationswilligen müssen mündig entscheiden können. Und genau hier gibt es noch grossen Handlungsbedarf.»

Lisa Schmalzried: «Wenn das eigentliche Ziel einer Person ist, schön zu sein, dann ist es zweifelhaft, ob dieses Ziel durch eine Schönheitsoperation wirklich erreicht werden kann. Die Schönheit einer Person hängt nicht nur von ihrem rein physischen Erscheinungsbild ab.»

Beiträge

  • Die Gästerunde

    Karin Frei stellt ihre Gäste vor:

  • Schönheits-OP ja oder nein?

    Immer wieder berät die Präsidentin des Fachverbands der Schweizerischen Patientenstellen Erika Ziltener auch Menschen. Wie kann man entscheiden, ob eine Schönheitsoperation sinnvoll ist?

  • Busenfreundinnen kriegen Rabatt

    Der plastische Chirurg Jürg Häcki gehört zu jenen Ärzten, die Rabatt gewähren, wenn sich Freundinnen gleich zu zweit für eine OP anmelden. «Kein Problem», sagt er:

  • Wie definiert man Schönheit?

    Die Philosophin Lisa Schmalzried weist darauf hin, dass Schönheit nicht generell definiert werden kann:

  • Grosser Busen für die Ästhetik

    Die Bodybuilding Schweizermeisterin in der Bikiniklasse, Jessica Gismondi, trainiert ihren Körper bis zur Perfektion. Lässt sich das mit einer operierten Brust vereinbaren oder ist's ein wenig geschummelt?

  • Glatze weg dank «Scalp Reduction»

    Kurt Oberländer hat sich mehrmals unter das Messer gelegt. Nicht nur für die Sendung Puls. Schon früher liess er sich operieren und erklärt, wie er mittels einer «Scalp Reduction» zu dichterem Haar kam:

  • Nichts für schwache Nerven

    Die Sendung Puls hat Kurt Oberländers Gesichtslifting begleitet. Eine Operation, die für das ungewohnte Auge brachial wirken kann:

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