Zu dumm für die Lehre?

Warum ist am Ende der obligatorischen Schulzeit jeder fünfte Schüler untauglich für eine Lehre? Warum können sie trotz neun Schuljahren kaum lesen und rechnen? Wer ist schuld am Skandal? Und - was unternehmen Staat und Private, um sie in die Berufswelt zu integrieren? Ein «Club» mit Mona Vetsch.

20% der Schulabgänger finden keinen Berufsanschluss. Viele können kaum lesen und rechnen, haben schlechte Umgangsformen und stammen oft aus prekären Familienverhältnissen. Kurz: Sie sind untauglich für eine Berufslehre. Gleichzeitig wachsen die Leistungsanforderungen der Wirtschaft und viele Lehrstellen bleiben unbesetzt. Wer ist schuld am Skandal? Landen die Ungelernten bei der Sozialhilfe? Kann die gesellschaftliche Zeitbombe entschärft werden?

Gesprächsgäste

  • Marinko Jurendic, Leiter Bildung Speranza
  • Dorothee Schaffner, Erziehungswissenschaftlerin Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
  • Beat W. Zemp, Zentralpräsident Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer
  • Peter Schilliger, Mitinhaber und CEO Herzog Haustechnik AG, Vorstand Schweizerischer Arbeitgeberverband
  • Jürg Peter, Reallehrer Neuenhof AG

Links zur Sendung

Schwerpunkt-Woche «Zukunft ungewiss: Zittern um die Lehrstelle»: «Schweiz aktuell» zeigt, wie Jugendliche in einem Pilotprojekt der Stiftung Speranza für die Arbeitswelt fit getrimmt werden sollen.

Stiftung Speranza hilft Jugendlichen mit schulischen und sozialen Defiziten beim Eintritt in die berufliche Grundbildung.

Jugendprojekt LIFT: Mit Arbeitseinsätzen in Betrieben schon während der Schulzeit und Schulung in Sozial- und Selbstkompetenz werden Schüler auf die Berufswelt vorbereitet.

Beiträge

  • Moderatorin Mona Vetsch

    Moderatorin Mona Vetsch

  • Jürg Peter, Reallehrer Neuenhof AG

    Jürg Peter, Reallehrer Neuenhof AG

    «Als Reallehrer verwende ich den Grossteil meiner Zeit darauf, den Schülern elementare Dinge beizubringen wie Pünktlichkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit, Disziplin. Dass einer nach der Schule direkt zum RAV geht oder zur Sozialhilfe, das darf nicht sein. Dafür setze ich mich ein.»

  • Marinko Jurendic, Leiter Bildung Speranza

    Marinko Jurendic, Leiter Bildung Speranza

    «Wenn 20% aller Schulabgänger ohne Berufsanschluss dastehen, bedeutet das eine gefährliche Zeitbombe für die Gesellschaft. Wir müssen alles unternehmen, damit möglichst alle Jugendlichen nach der obligatorischen Schulzeit den Berufseinstieg schaffen. Schule, Wirtschaft und Politik sind gefordert.»

  • Dorothee Schaffner, Erziehungswissenschaftlerin Hochschule FHNW

    Dorothee Schaffner, Erziehungswissenschaftlerin Hochschule FHNW

    «Das System bestimmt auch die Möglichkeiten der Jugendlichen. Einige sind dem Druck der Wirtschaft am Ende der Schulzeit nicht gewachsen, andere sind einfach noch nicht bereit. Der Ausbau der Brückenangebote war ursprünglich als Krisenintervention für Probleme im Lehrstellenmarkt gedacht. Viele gute Angebote sind entstanden. Daran haben sich Jugendliche, Lehrpersonen und die Wirtschaft auch gewöhnt - vielleicht etwas zu stark?»

  • Peter Schilliger, Vorstand Schweizerischer Arbeitgeberverband

    Peter Schilliger, Vorstand Schweizerischer Arbeitgeberverband

    «Die Anforderungen der Lehrmeister sind nicht gestiegen. Die Qualität der Schulabgänger hat sich verschlechtert. Die Lehrbetriebe leisten einen riesigen Aufwand, um die Jungen fähig zu machen fürs Erwerbsleben. Das wird zu wenig gewürdigt.»

  • Beat W. Zemp, Zentralpräsident Schweizer Lehrerinnen und Lehrer

    Beat W. Zemp, Zentralpräsident Schweizer Lehrerinnen und Lehrer

    «Dass die Schweiz als eines der reichsten Länder viel zu wenig in die vorschulische Förderung investiert, ist ein Skandal. Wer schon mit Defiziten in die Primarschule startet, macht diese häufig nicht mehr wett. Brückenangebote und Motivationsprojekte für Schulabgänger sind daher nur Schadensbegrenzung.»