Brückenbauer und General: Guillaume Henri Dufour

Kartograph, Kantonsingenieur, Lehrer, Politiker – und General. Guillaume Henri Dufour führt die Truppen der Tagsatzung im Sonderbundskrieg an. Seine Kriegsführung nach humanitären Grundsätzen ermöglicht die Einigung auf eine gemeinsame Bundesverfassung.

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Guillaume Henri Dufour im Interview, gespielt von Michel Voïta

2:55 min, vom 2.10.2013

Dufour, Lithographie um 1830

Bildlegende: Dufour, Lithographie um 1830 Künstler unbekannt

Dufour kommt 1787 in Konstanz als Sohn eines Genfer Uhrmachers zur Welt. Zwei Jahre später kehren seine Eltern in ihre Heimatstadt zurück. Dort studiert er Geisteswissenschaft und Physik an der Akademie, bevor er seine Ausbildung in Paris fortsetzt. Dies ist ohne weiteres möglich: Genf ist zu diesem Zeitpunkt seit fast zehn Jahren französisch. Ab 1811 leistet der mittlerweile 24-jährige Dufour Aktivdienst in der französischen Armee: Er bekommt einen Marschbefehl nach Korfu, das vor den Engländern verteidigt werden muss.

Neue Techniken zur Erstellung von Karten

Dufour wird auf Korfu bald zum Hauptmann befördert. Er arbeitet an einer Karte nach dem System der Horizontalkurve - eine Technik, die für ihn neu ist. In seiner Freizeit zeichnet er an einem Plan der Festung in grossem Massstab (1:5000). Dufour lernt aber auch die Brutalität des Krieges kennen: am 11. Juni 1813 wird er auf See in einem Scharmützel mit Engländern verwundet und gefangengenommen, jedoch kurz darauf wieder freigelassen. Nach der Abdankung Napoleons wird die Stellung auf Korfu aufgegeben. Dufour kehrt in seine mittlerweile wieder unabhängige Heimatstadt Genf zurück. Erst nach dem Wiener Kongress 1815 kommt Genf zur Eidgenossenschaft.

Militärschule Thun

Bildlegende: Militärschule Thun Zeichnung von Fr. Kurz

Oberinstruktor an der Militärschule, Kantonsingenieur und Politiker

Mit dem Bundesvertrag von 1815 entsteht auch ein neues eidgenössisches Heer. 1817 wird Dufour Hauptmann im Stab der eidgenössischen Genietruppen. Die erst kürzlich gegründete Armee weist jedoch noch zahlreiche Mängel auf. Zur Verbesserung des Ausbildungsstandes der Offiziere wird 1818 eine Militärschule in Thun gegründet. Dufour wird dort Oberinstruktor und 1832 schliesslich selbst Direktor. Gleichzeitig ist er Kantonsingenieur in Genf. Ab 1821 gibt er neben seiner Tätigkeit an der Militärschule an der Genfer Akademie Unterricht in Geometrie, Mathematik, Hydraulik und Vermessungskunde. Zudem werden unter seiner Leitung mehrere Hängebrücken gebaut, die Uferpromenade Genfs und Teile des Seebeckens neu gestaltet. Und als wäre dies alles nicht genug, startet Dufour auch noch eine politische Karriere: 1819 wird er als Vertreter der Liberalen in den Repräsentierenden Rat Genfs gewählt.

Zürich auf der Dufourkarte, um 1850

Bildlegende: Zürich auf der Dufourkarte, um 1850 Dufourkarte

Zuständig für die Verteidigung der Schweiz

Die Julirevolution von 1830 in Frankreich schreckt die Eidgenossen auf. Werden die Aufstände auch auf die Schweiz übergreifen? Ende des Jahres tritt die Tagsatzung zusammen. Die Neutralität gegen aussen wird bekräftigt. Dennoch wird gleichzeitig die Mobilmachung des eidgenössischen Heeres vorbereitet: Zum Chef der Generalstabsabteilung ernennt die Tagsatzung den 43 Jahre alten Dufour. Er ist damit im Falle eines Krieges in Europa für die Verteidigung der Schweiz zuständig. Als Generalstabschef nimmt er an Tagsatzungen teil und leitet die Vermessungen für eine Landeskarte der Schweiz im Massstab 1:100‘000. Die sogenannte «Dufour-Karte» wird rund dreissig Jahre später (1864) fertiggestellt und ist das erste amtliche Kartenwerk, das die gesamte Schweiz abbildet.

Im Krieg im Auftrag der Tagsatzung

Als es in Basel zwischen Stadt und Land zu bewaffneten Auseinandersetzungen kommt, schickt die Tagsatzung Dufour 1833, mit einer Division in die Region und lässt die Stadt besetzen. Unruhen, die schliesslich zur vollständigen Trennung von Baselland und Baselstadt führen, lassen die Tagsatzung diesen Entschluss fällen. Fünf Jahre später versetzt Dufour Genf in Verteidigungsbereitschaft, um einen Angriff Frankreichs zu verhindern: Der Aufenthalt Napoléons III. am Sterbebett seiner Mutter verärgert das republikanische Nachbarland derart, dass mit einem Angriff gerechnet werden muss. Parallel verfolgt Dufour sein politisches Engagement weiter. 1841 wählen ihn die Genfer in den Verfassungsrat, 1842 wird er Mitglied des Grossen Rates und des Gemeinderates. Nur ein Jahr später kommandiert er jedoch Truppen in seiner Heimatstadt: Die Tagsatzung hat Dufour den Auftrag erteilt, die Konfrontationen zwischen Genfer Konservativen und Radikalen zu unterdrücken.

James Fazy

Bildlegende: James Fazy Harper’s new monthly Magazine 1872

Kein Radikaler

Dieser Konflikt mündet 1846 in die vom radikalen Journalisten und Dufours Weggefährten James Fazy angeführten Revolution: Genf soll auf Distanz zur konservativen Eidgenossenschaft gehen und sich dem Sonderbund entgegenstellen, was die Konservativen im Kanton ablehnen. Mit der Unterstützung der Arbeiter von Saint-Gervais und der katholischen Landbevölkerung bringt Fazy die konservative Regierung zu Fall. Dufour steht als gemässigter Konservativer nicht auf der Seite der Radikalen – er lehnt Extreme generell ab.

Nichtsdestotrotz ernennt ihn die liberale Mehrheit der Tagsatzung am 21. Oktober 1847 zum General und damit zum Oberbefehlshaber über die eidgenössischen Truppen. Sie erteilt ihm den Auftrag, den Sonderbund aufzulösen. Dufour ist darüber ganz und gar nicht begeistert: «Ich war darüber wie versteinert und tat alles, damit dieser Kelch an mir vorübergehe; aber da die Tagsatzung selbst diesen Beschluss fasste, trotz eines Briefes, den ich ihr gesandt hatte, um die Gründe für meine Ablehnung zu erläutern, musste ich mich fügen.» (Dufour in Langendorf)

Guillaume Henri Dufour, Lithographie

Bildlegende: Guillaume Henri Dufour, Lithographie Künstler unbekannt

Anerkennung und Wahl nach Bern

General Dufour fordert seine Truppen wiederholt dazu auf, sich streng an humanitäre Grundsätze zu halten: Drei Wochen dauert der sogenannte «Sonderbundskrieg», der nur wenig Todesopfer fordert. Als Anerkennung spricht ihm die Tagsatzung eine Ehrengabe von 40‘000 Franken zu.

Für das Berner Seeland wird Dufour 1848 in den ersten Nationalrat der Eidgenossenschaft gewählt, welches er bis 1851 vertritt. Ab 1854 sitzt er dann für den Kanton Genf in der Grossen Kammer (bis 1857). 1862 wechselt er in die Kleine Kammer: Er ist für eine Legislaturperiode Ständerat und vertritt den Kanton Genf in Bern. Doch immer wieder ist er für die Eidgenossenschaft militärisch im Einsatz. So erteilt ihm etwa die Bundesversammlung im Rahmen des «Neuenburgerhandels» 1856 den Oberbefehl über die eidgenössischen Truppen.

Obwohl Soldat, versuchte Guillaume Henri Dufour insbesondere im Sonderbundskrieg den Krieg möglichst nach humanitären Grundsätzen zu führen. So gehörte er denn 1863 auch zu den fünf Mitbegründern des «Comité international de secours aux militaires blessés, dem späteren IKRK. Dufour stirbt 1875 88-jährig in les Eaux-Vives, das heute zur Gemeinde Genf gehört.

Quellen:

Swisstopo, «Dufourkarte Hintergrundinformation».

Historisches Lexikon der Schweiz, «Dufour, Guillaume Henri»

Historisches Lexikon der Schweiz, «Basel (Kanton) »

Historisches Lexikon der Schweiz, «Genf (Kanton) »

Historisches Lexikon der Schweiz, «Fazy, James»

Historisches Lexikon der Schweiz, «Napoléon III. »

Jean-Jacques Langendorf 1987: «Guillaume Henri Dufour, General – Kartograph – Humanist. Eine Bildbiographie», SV international / Schweizer Verlagshaus, Zürich.