Zankapfel Weideland – der Marchenstreit

Das Kloster Einsiedeln und Schwyz streiten sich schon über 200 Jahre um die Nutzungsrechte des Weidelandes rund um das Kloster – einst ein primär wirtschaftlicher Konflikt, wandelt sich der Zwist mehr und mehr zu einem politischen – und wird zu einer der Ursachen des Morgartenkrieges.

Kloster Einsiedeln

Bildlegende: Kloster Einsiedeln Reuters

Ein lange schwelender Konflikt

Bereits 1018 vergibt König Heinrich II. das Alpthal und die Wälder des hinteren Sihltals dem Benediktinerkloster Einsiedeln zur Nutzung und Verwaltung. Seit 1283 übt das Hause Habsburg die Schirmvogtei über das Kloster aus. Die Schwyzer respektieren die Hoheit des Klosters über dieses Gebiet jedoch nicht und treiben den Landesausbau voran: Sie roden Wälder, lassen ihr Vieh dort weiden und bauen Hütten. Rechtsstreite, bei denen die jeweiligen Könige immer zugunsten des Klosters entscheiden, sind die Folge davon. Doch die Schwyzer ignorieren die Urteile: Sie nutzen das Land weiterhin.

Video «Historiker Andreas Meyerhans über den Kirchenbann» abspielen

Historiker Andreas Meyerhans über den Kirchenbann

0:48 min, vom 2.10.2013

Kirchenbann und Eskalation

Dieses Mal greift das Kloster im sogenannten Marchenstreit (Grenzstreit) nicht auf weltliche Mittel zurück, sondern ruft die geistliche Gerichtsbarkeit an: Der Bischof von Konstanz verhängt den Kirchenbann über die Schwyzer. Fortan werden ihnen sämtliche Sakramente verweigert; zur damaligen Zeit eine Katastrophe für die Landbevölkerung.

In der Dreikönigsnacht 1314 überfallen die wutentbrannten Schwyzer das Kloster Einsiedeln. Bücher brennen, es wird geplündert und adlige Mönche werden in Geiselhaft genommen, in der Hoffnung Lösegeld von deren Verwandten erpressen zu können. Werner Stauffacher, der Landammann von Schwyz, soll darüber entsetzt gewesen sein und angeordnet haben, die gefangengenommenen Mönche wie Gäste zu behandeln.

Friedrich der Schöne

Bildlegende: Friedrich der Schöne Kupferstich von Pieter van Sompel nach Pieter Claesz. Soutman, um 1640

Zwei Könige, zwei Bittsteller

Die Kurfürsten des römisch-deutschen Reiches ringen nach dem Tode Heinrichs von Luxemburg um die Neubesetzung des Königsthrones. Weil keine Einigung erzielt werden kann, wird die Königswürde an zwei Adelshäuser vergeben: Friedrich der Schöne von Habsburg und Ludwig von Bayern aus dem Hause Wittelsbach werden beide zum König gekrönt.

Das Kloster bittet den habsburgischen König um Hilfe im Marchenstreit mit den Schwyzern. Die Schwyzer hingegen wenden sich an Ludwig von Bayern: Sie streben gemeinsam mit Uri und Unterwalden einen Königsbrief und damit den Schutz von Ludwig von Bayern an. Friedrich der Schöne verhängt derweil die Reichsacht über Schwyz. Die Waldstätte ist ohne Ludwigs Königsbrief jeglichen Übergriffen schutzlos ausgeliefert. Und die Bedrohung naht: Der Bruder Friedrichs, Herzog Leopold, marschiert mit seinem Heer in Richtung Rapperswil.

Doch die ersehnte Unterstützung Ludwigs von Bayern bleibt aus. Er will, dass die Schwyzer dem voranschreitenden Heer von Herzog Leopold entgegentreten. Oberhalb des Ägerisees sollen die Truppen des Herzogs auf die Schwyzer und ihre Verbündeten getroffen sein – mit unerwartetem Ausgang.

Eine Lösung des Konflikts um die Nutzung der Ländereien des Klosters Einsiedeln wird erst 1350 erreicht: Thüring von Attinghausen vermittelt diesen Frieden. Neue Marken (Grenzen) werden detailliert festgelegt. Sie bilden grösstenteils noch heute die Grenze zwischen dem Gebiet des Kantons Schwyz und dem Kloster Einsiedeln.

Quellen:

Historisches Lexikon der Schweiz, «Marchenstreit»

Historisches Lexikon der Schweiz, «Morgartenkrieg»

Andreas Riggenbach 1965: «Der Marchenstreit zwischen Schwyz und Einsiedeln und die Entstehung der Eidgenossenschaft», Fretz und Wasmuth Verlag AG, Zürich.

Klosterarchiv Einsiedeln, «Johannes I. von Schwanden».