Urs Wälterlin krempelt seine Gemeinde um

Die Apathie der Menschen in Australien gegenüber politischen Prozessen hatte Urs Wälterlin deprimiert. Der SRF-Australienkorrespondent begann 2007 sich in seiner Wohngemeinde Goulburn für öffentliche Anliegen zu engagieren. Das Bepflanzen einer ehemaligen Schutthalde war das erste Projekt.

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Aus einer Schutthalde wird ein Naherholungsplatz

3:52 min, vom 5.12.2014

Sven Furrer hilft beim Anpflanzen kräftig mit.

Bildlegende: Sven Furrer hilft beim Anpflanzen kräftig mit. SRF

Eine ehemalige Schutthalde war eines von vielen Projekten, über das die Menschen in Goulburn lernten, dass sie gemeinsam die Welt verändern können – ihre Welt. Über Jahre verwandelten die Freiwilligen der Goulburn Group die Halde in ein heute florierendes Feuchtgebiet. «Die Leute lernten beim Umgraben umzudenken», sagt Urs Wälterlin. Die Schweiz diente ihm in dieser Übung in direkter Demokratie als Beispiel.

«Australien wird von oben nach unten regiert»

«Statt darauf zu warten, dass die Politiker handeln, nahmen die Menschen in Goulburn ihr Schicksal in die eigenen Hände», sagt Wälterlin. Das war für viele eine neue Erfahrung. «Australien wird – im Gegensatz zur Schweiz – von oben nach unten regiert. Das Individuum und die Gemeinde haben eigentlich wenig zu sagen.» Im Westminster-System von Regierung und Opposition wähle man alle paar Jahre einen Politiker. In Australien sehe der seine Wahl oft als Persilschein, «um zu tun, was er will, ob das nun im Interesse der Wähler ist oder nicht», so der SRF-Korrespondent.

Den Folgen des Klimawandels trotzen

Pflanzen und Lächeln für die Kameras: Sven Furrer

Bildlegende: Nur starke Gemeinden können dem Klimawandel trotzen: Sven Furrer beim Pflanzen SRF

Es blieb nicht beim Feuchtgebiet. Urs Wälterlin und seine stetig wachsende Gruppe installierten im Stadtzentrum ein kostenloses W-Lan-Netz, starteten eine Kampagne für die Installation von Solarstrom und initiierten eine Reihe anderer Projekte, die alle zum Ziel haben, die Gemeinde zu stärken. «Denn nur sozial und wirtschaftlich robuste Gemeinden sind der grössten Herausforderung überhaupt gewachsen – dem Klimawandel.» Denn auch in der Region Goulburn sind die Folgen des Klimawandels bereits heftig zu spüren: längere Dürreperioden, heftige Stürme und Wassermangel.