Wie eine «Berggeiss» Australien lieben lernte

Sven Furrer unter «Aussies»: Der Journalist und Comedian erzählt im Interview von den Dreharbeiten zur «DOK»-Serie und was die unendlichen Weiten Australiens für jemanden bedeuten, der im gebirgigen Wallis gross geworden ist.

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Hinter der Kamera – Von Versprechern und Patzern

4:56 min, vom 21.11.2014

SRF DOK: Sven, man kennt dich vor allem als Comedian. Inwiefern hat dir diese Tätigkeit bei den Begegnungen in Australien geholfen?

Sven Furrer: Es liegt mir, auf Menschen zuzugehen. Sie haben relativ schnell Vertrauen zu mir und erzählen mir ihre Geschichte. Aber das ist auch eine Typfrage, ob man wirklich interessiert ist am Gegenüber und sich darauf einlassen kann. Und obwohl ich auf der Bühne vom Sprechen lebe, höre ich sehr gerne zu. Als Comedian beobachte ich zudem für die Programme, die ich schreibe, oft Menschen. So kann ich sie schnell einschätzen und mich entsprechend anpassen. Das kam mir bei den Dreharbeiten sicher entgegen.

Was war denn während den Dreharbeiten die grösste Herausforderung?

Das Ziel war, eine möglichst authentische Sendung zu machen. Ich bin Comedian, hier aber als Journalist unterwegs. Es geht also nicht darum, möglichst lustig zu sein, sondern darum, die Protagonisten ins Zentrum zu stellen. Für mich war die Herausforderung, die Zuschauer auf diese Reise mitnehmen zu können. Wir wollten ihnen zudem eine Reise bieten, die sie auch selbst erleben könnten, wenn sie die Fühler ausstrecken und Augen und Ohren öffnen. Während der Reise waren wir «Jäger und Sammler» von Geschichten. Das war sehr spannend, oft fehlte aber die Zeit, das Erlebte wirklich zu verarbeiten, weil wir bereits zum nächsten Drehort mussten.

Bei «Edelmais» steht ihr zu zweit auf der Bühne, in Australien ward ihr im Viererteam unterwegs. Wie war das für dich?

Sergio Cassini filmt Sven bei einem Interview vom Felsen aus

Bildlegende: Eingespieltes Team: Sergio Cassini filmt Sven bei einem Interview. SRF

Ich bin ein Mannschaftssportler und kein Einzelkämpfer. Den Kameramann Sergio Cassini habe ich von meiner früheren kulturjournalistischen Tätigkeit bereits sehr gut gekannt. Auf ihn kann ich mich blind verlassen, ich wusste, dass das mit ihm als Teil des Teams gut funktionieren würde. Auch mit den beiden Produzenten habe ich mich auf Anhieb sehr gut verstanden und wir haben uns gegenseitig viel unterstützt. Niemand hat versucht, sich in den Mittelpunkt zu stellen. Wir waren alle im Dienste des Produkts unterwegs, das spiegelt sich meines Erachtens auch in der Serie wieder.

Inwiefern haben sich deine Erwartungen von Australien bestätigt oder sogar widerlegt?

Ich lebe stark in der Gegenwart und schüre selten Erwartungen. So wird man meist nur positiv überrascht und selten enttäuscht.

Wie sind dir die Australier begegnet?

Ich war von Anfang an transparent und habe gesagt: Ich bin kein Reiseprofi und empfinde auch nicht andauerndes Fernweh. Ich gehe sehr gerne für zwei, drei Wochen weg, komme aber auch gerne wieder zurück. Mein Englisch ist zudem nicht das Beste. Das hat sich jedoch auch positiv ausgewirkt, weil die Leute nicht das Gefühl hatten, hier komme ein «geschliffener» Journalist, der sie in die Enge treiben möchte. Dadurch entstand ein guter «Groove» und eine Offenheit zwischen den Protagonisten und mir.

Hast du das Reisen für dich entdeckt?

Ich konnte auf den zehn Wochen Dreh die Qualitäten des Reisens sehr aktiv erleben. Es erweitert den Horizont, wenn man Menschen fremder Kulturen kennenlernt und sieht, dass andere Menschen anders funktionieren und denken. Das finde ich sehr spannend.

Was hat dich an Australien am meisten überrascht?

Sicherlich seine Grösse. Australien ist 128 Mal grösser als die Schweiz, hat aber nur etwa dreimal mehr Einwohner. Diese dünne Besiedelung ist schon sehr eindrücklich, 1'500 Kilometer um Alice Springs gibt es keine Stadt – das entspricht etwa der Strecke von Zürich nach Stockholm.

Empfandest du diese Weite als trostlos?

Nicht unbedingt. Die Weite bedeutete für mich aber auch nicht einfach Freiheit, wie es das für viele tut. Mir wurde zudem bewusst, wie sehr mich die Geologie, in der ich aufgewachsen bin, geprägt hat. Ich bin in einem Tal aufgewachsen und in der Weite Australiens hatte ich immer ein bisschen das Gefühl, es reisse mich auseinander.

Ihr ward an einen straffen Drehplan gebunden. Wo wärst du gerne länger geblieben?

Buckelwalrückenflosse, die aus dem Wasser schaut.

Bildlegende: Buckelwal am Ningaloo Reef bei Exmouth SRF

Von den Städten hat mich Sydney sehr beeindruckt – eine sehr weltoffene Stadt am Meer. Auf dem Land wäre ich gerne auf der Gibb River Road geblieben, eine Offroad Strecke von etwa 600 Kilometern. Auf dieser Naturstrasse erlebst du extrem viel von Australien, kannst jederzeit dein Zelt aufstellen und deine Abenteuerlust ausleben. Hier hätte ich gerne noch diese Landschaft etwas auf mich wirken lassen. Und obwohl ich eine «Berggeiss» bin und eigentlich kein Meertyp, haben mich die schönen Strände und die ganze Unterwasserwelt ungemein beeindruckt. Als wir auf einer Klippe standen und im unendlich scheinenden Meer mehrere Buckelwale ziehen sahen, ist mir vor Ehrfurcht schon der Atem ins Stocken geraten. Australien bietet so vieles – vielleicht ist das der Grund, weshalb es eine solche Sehnsuchtsdestination der Schweizer ist.

Nun kommst du soeben aus der Vertonung der sechs Australien-Folgen und stehst heute Abend mit René Rindlisbacher mit «Edlemais» wieder auf der Bühne. Wie schaffst du es, dich unter diesem Hochdruck zu entspannen?

Sven Furrer

Bildlegende: Sven Furrer «down under» SRF

René und ich haben bis Weihnachten Vorstellungen und dann wieder Pause bis im März. Es gibt also immer auch ruhigere Phasen. Und wenn die Serie einmal läuft, wird der Stress auch weniger. Am besten entspanne ich mich zu Hause mit meinen drei Jungs. Das darf trotz Arbeit nicht zu kurz kommen.

Sven Furrer

Sven Furrer

*1971, aufgewachsen in Glis (VS). Er ist verheiratet und Vater von drei Knaben. Er führt durch die sechsteilige «DOK»-Serie «12'378 km Australien – Sven Furrer auf Abwegen». Von 2001 bis 2005 war er Kulturredaktor bei diversen Sendungen von SRF, unter anderem «Kulturplatz». Seit 2005 ist er Macher und Schauspieler der Sketch-Show «Edelmais».

«12'378 km Australien»

«Folge 1: Von Alice Springs bis Marree», Freitag, 21. November 2014, 21:00 Uhr, SRF1

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