Was Sie noch nicht über das Matterhorn wussten

Was ein Basketballplatz, die Zahl 500 und Theodore Roosevelt mit dem Matterhorn zu tun haben: Wissenswertes übers Matterhorn, mit dem Sie auftrumpfen können.

Fakten über das Matterhorn

Während rund um den Globus die Schweiz unzertrennbar mit der Silhouette des Matterhorns verknüpft zu sein scheint, wird der markante Berg hierzulande weit weniger identitätsstiftend wahrgenommen.

Klar, man weiss, dass das Matterhorn bei Zermatt in die Höhe ragt, man könnte wahrscheinlich aus dem Kopf heraus mehr oder weniger akkurat den Umriss des Berges nachzeichnen, und vielen ist es kein Geheimnis, dass im Matterhorn-Logo der Toblerone-Schokolade ein Bär versteckt ist. Aber Weiteres wissen nur die Wenigsten.

Wir haben für Sie einige weniger bekannte Fakten herausgesucht:

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Höhenmeter: Von der Hörnlihütte bis zum Gipfel

0:24 min, vom 31.3.2015

1) Wie viele Prime Tower ergeben einen Matterhornaufstieg?

Ein Aufstieg zum Gipfel des Matterhorns von der Hörnlihütte aus dauert in der Regel vier bis fünf Stunden, doch wie viele Höhenmeter macht man in dieser Zeit tatsächlich? Und was wäre vergleichbar mit dieser Strecke?

Die Höhendistanz zwischen Hörnlihütte (3260 Meter) und Gipfel (4478 Meter) beträgt 1218 Meter, was sich in einer horizontalen Strecke vorgestellt zwar nach wenig anhört, in der Höhe aufgetürmt aber alles andere als gemütlich ist.

Wenn man zum Beispiel den Turm des Berner Münsters hochläuft, kippt der Atemrhythmus eines nicht top-trainierten Besuchers mehr als einmal ins unregelmässige. Müsste man nun aber denselben Turm ganze zwölfmal am Stück hochlaufen, wäre ziemlich sicher auch eine trainierte Person am Kämpfen. Oder wie wäre es mit siebenmal «Roche Tower» erklimmen? Oder knapp zehnmal «Prime Tower»? Denn so hoch ist der Aufstieg aufs Matterhorn. Und dabei sind die Strapazen von unsicheren Wegen, gefährlichen Überhängen und witterungsbedingte Widrigkeiten noch nicht inbegriffen.

Collage: Katze auf dem Matterhorn.

Bildlegende: Klein aber oho! 1950 bezwang ein zehn Monate altes Kätzchen das Matterhorn im Alleingang. Collage: SRF/Jonas Bayona. The Times

2) Ein Büsi auf dem Gipfel

Am 7. September 1950 druckte die Londoner «Times» einen Bericht über den bisher wohl niedlichsten Bezwinger des Matterhorns: ein zehn Monate altes Kätzchen.

Wohnhaft in der Hörnlihütte, welche auch heute noch der gängigste Ausgangspunkt für eine Besteigung des Matterhorns ist, gewöhnte sich die Katze schnell an die vielen Gäste, welche sich in den frühen Morgenstunden aufmachten, um den Berg zu erklimmen – was bei dem Tier wohl die Neugier weckte. So machte sich das Büsi am Morgen des 18. Augusts 1950 auf und folgte einer Gruppe von Bergsteigern. Diese dachten sich nichts weiter dabei, da sie die Katze schon nach einer kurzen Strecke abgehängt hatten, und sie sich sicher waren, dass diese zurückgekehrt war.

Aber weit gefehlt: Berichte von verschiedenen Bergsteigergruppen belegen, dass sich das Kätzchen mit zwei Zwischenstopps in Schutzhütten innerhalb von etwas mehr als zwei Tagen bis zum Gipfel durchschlug. Die überraschten Bergsteiger, welche zu diesem Zeitpunkt auf der Spitze den Ausblick genossen, waren sich einig, dass der Abstieg für die Katze viel schwieriger als der Aufstieg sein würde und nahmen sie deshalb behutsam mit hinunter.

Collage: Ulrich Inderbinen/ Matterhorn

Bildlegende: Rekordhalter Der Zermatter Ulrich Inderbinen stieg 371-mal aufs Matterhorn. Collage: SRF/Jonas Bayona. Ulrich Inderbinen

3) Die Ikone

Ein Mann, der sich offensichtlich nie von der tödlichen Gefahr des Matterhorns einschüchtern liess, war Ulrich Inderbinen. Während dieser Name für viele Walliser ein fester Bestandteil des kantonalen Bewusstseins ist, sorgt er bei den «Üsuschwizern» eher für fragende Blicke.

Die Bergsteigerkoryphäe bezwang in seinem Leben das Matterhorn so oft wie kein anderer: Stolze 371-mal stand der Zermatter Bergführer auf dem Gipfel. Ein letztes Mal 1990 im Rahmen des 125. Jahrestages der Erstbesteigung. Der mittlerweile 89-jährige Ulrich erklomm mit Bundesrat Adolf Ogi «ds Hore» und bestätigte damit endgültig seinen Status als Doyen der Bergsteiger.

Dass er darüber hinaus 84-mal den Mont Blanc und 81-mal die Dufourspitze sowie unzählige andere Berge gemeistert hatte, wirkt daneben fast schon wie eine Anekdote. Für seine grossen Leistungen wurde er zu seinem 100. Geburtstag mit einer Ausstellung und einem ihm gewidmeten Brunnen in Zermatt geehrt.

Ulrich Inderbinen starb 2004 im Alter von 104 Jahren als ältester, zu diesem Zeitpunkt lebender Walliser.

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Ein geheimer Platz nur für das Personal

0:20 min, vom 26.3.2015

4) Das kalifornische Matterhorn

Nebst der Tatsache, dass ausserhalb der Schweiz noch elf weitere «Matterhörner» stehen, gibt es ein ganz besonderes: das Matterhorn im Disneyland Anaheim im Bundesstaat Kalifornien.

Die 1959 eröffnete Achterbahn schlängelt sich um eine künstliche Nachstellung des Matterhorns im Massstab 1:100 und begeistert Besucher von Jung bis Alt. Aber nicht nur die Besucher haben ihre Freude daran.

Als der Bau der Bahn abgeschlossen war, fragte Walter Disney seine Angestellten: «Wir haben im oberen Teil des ausgehöhlten Berges noch viel freien Platz – was möchtet ihr da drin haben?» Und seine Angestellten antworteten: «Einen Basketballplatz!». Gesagt, getan: Seither steht in der Spitze, verborgen vor allen regulären Besuchern, ein halber Basketballplatz, zu dem sich die Angestellten in ihren Pausen zurückziehen können.

5) Die unschöne Seite des Matterhorns

Wenn es heutzutage um das Besteigen des Matterhorns geht, ist die gängige Antwort auf die Frage, ob das denn machbar sei, ein leichtes Schulterzucken, gefolgt von einem «wenn man einigermassen fit ist, ist der Aufstieg absolut machbar». Professionelle Bergsteiger sehen den Berg fast schon als gemütlichen Ausflug, trainierte Touristen erstürmen die Spitze mit der Hilfe von heimischen Bergführern.

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Der Zermatter Harry Lauber zu den Leichenfunden

3:59 min, vom 13.3.2015

Was aber dabei vergessen geht: Mit mehr als 500 tödlich Verunglückten ist das Matterhorn einer der tödlichsten Berge weltweit. Und nicht alle Leichen wurden am Fusse des Massivs gefunden. Seit 1951 gelten mindestens 27 Personen als vermisst und es könnte gut sein, dass deren Körper nie oder in vielen Jahren erst entdeckt und geborgen werden können.

Den zweifelhaften Ruhm, einer der gefährlichsten Berge weltweit zu sein, wird dem Annapurna im Himalaya zu teil. Hier lässt statistisch gesehen fast jeder zweite Bergsteiger sein Leben.

6) Theodore Roosevelts Trotzhaltung

Theodore Roosevelt war ein sehr krankheitsanfälliges Kind aber besass immer schon einen starken Willen. Später, während seiner Studienzeit in Harvard, warnte Dr. Dudley Sargent ihn, dass er ein schwaches Herz besässe und darum ein ruhiges Leben führen solle. Roosevelt solle sich einen Schreibtischjob suchen und anstrengende Aktivitäten auf jeden Fall meiden, ansonsten drohe der Tod. Darauf soll dieser jedoch bloss entgegnet haben: «Doktor, ich werde all die Dinge tun, von welchen Sie mir abraten. Wenn ich das Leben führen müsste, welches Sie mir empfehlen, wäre es mir egal, wie kurz das Leben ist». Eine Aussage, die er sich zu Herzen nahm.

Ein Jahr nach Abschluss seines Studiums verbrachte der 23-jährige Roosevelt die Flitterwochen mit seiner ersten Frau, Alice Lee, auf einer romantischen Reise quer durch Europa. Als sie jedoch in der Schweiz auf britische Bergsteiger trafen, war es mit der trauten Zweisamkeit vorbei. Roosevelt beschloss nämlich kurzerhand, das Matterhorn zu besteigen, um den Engländern zu beweisen, dass ein «Yankee» ebenso gut bergsteigen kann wie sie.

Und so kam es, dass Theodore Roosevelt am 4. August 1881 mit einem heimischen Bergführer als bisher einziger US-Präsident das Matterhorn bezwang – nur 16 Jahre nach der tragischen Erstbesteigung.

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Erstbesteigung durch Edward Whymper

0:14 min, vom 26.3.2015

«Tatort Matterhorn»

«Tatort Matterhorn»

«Kampf um die Wahrheit», Folge 2, Donnerstag, 2. April 2015, 20:05 Uhr, SRF 1

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