Adoptionskinder auf dem Laufsteg

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In den USA ist die Vermarktung von Adoptionskindern mittlerweile normal: Kinder und Jugendliche, die auf eine Adoption warten, präsentieren sich in Modeshows und Fernsehsendungen, um passende Eltern zu finden.

Sie werden in adrette Kleider gesteckt und müssen dann über den Laufsteg gehen - im Publikum sitzen potenzielle Eltern, die sie begutachten und studieren können. Oder sie präsentieren sich im Fernsehen, müssen von ihren Hobbys erzählen und hoffen, dass sie dem Publikum so gut gefallen, dass sie danach adoptiert werden. Adoptionsvermittler in den USA greifen zu drastischen Methoden, um auch für grössere adoptionswillige Kinder passende Eltern zu finden. Die US-Amerikaner sehen darin kein Problem, weil sie so die Vermittlungsrate bei Adoptionen steigern konnten. Und das sei im besten Interesse des Kindes. Auch in England gibt es ähnliche Tendenzen - dort werden adoptionswillige Kinder in Tageszeitungen vermittelt.

Das alles ist Heinrich Nufer, Kinderpsychologe und Präsident der Schweizerischen Fachstelle für Adoption, ein Dorn im Auge. Er hält die Praxis in den Vereinigten Staaten für unwürdig, denn bei einer Adoption gehe es nicht um die blosse Vermittlung, sondern vielmehr darum, einem Kind ein Zuhause zu geben bei einer Familie, die es so nehme, wie es sei, und die zu ihm passe.