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«Am liebsten würde ich Blumen malen» – Ein Interview mit Künstler Jani Leinonen
Aus DOK vom 25.11.2019.
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DOK «Am liebsten würde ich Blumen malen» – Jani Leinonen im Interview

Er wünscht sich eine Welt in der er ein Sonntagsmaler sein könnte. Stattdessen ist Jani Leinonen politisch motivierter Künstler, der als Aktivist oder in Pop-Art-Manier das kapitalistische System kritisiert. Seine Werke provozieren in einer humoristischen und für manch einer auf geschmacklose Weise.

Bekannt geworden ist der Künstler für seine farbigen Persiflagen auf grosse Konsum-Brands. Er prangt damit Grosskonzerne und Politik an, kritisiert den Kapitalismus und hinterfragt gesellschaftspolitische Entwicklungen. Anfang dieses Jahres erregte er die Gemüter in Israel mit dem ans Kreuz genagelten Ronald McDonald «McJesus». Damit wollte er auf den Kreuzzug im Namen des Konsums aufmerksam machen, was der christlich-arabischen Gemeinschaft zu weit ging. Die christusähnliche Darstellung schockierte dermassen, dass es zu Blasphemie-Vorwürfe, Demonstrationen und gewaltsamen Ausschreitungen kam.

Steckbrief: Jani Leinonen

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Steckbrief: Jani Leinonen
Legende:Jani LeinonenSRF

Künstler und politischer Aktivist

Geboren am: 22. März 1978

Geburtsort: Hyvinkää, Finnland

2002 Graduierung an der Academy of Fine Arts in Helsinki

Leinonen greift Symbole und Marketingtaktiken an, macht sie zu Objekten des Spottes und stellt klischeehaft unsere vorbestimmte Konsumgesellschaft und den wirtschaftlichen Alltag dar. Ob mit einer Kuckucksuhr im Ikea-Design oder einem Cartier-Grabstein, mit seinen Collagen und Skulpturen verhöhnt er die weltweit grössten Konzerne. Leinonen nimmt die Aspekte unserer modernen Welt auf und präsentiert sie auf sehr nachdenkliche Weise. Er will, dass die Menschen mehr politisch denken, denn «Die Welt wird nicht von heroischen Politikern verändert, sondern von Bürgern» so Leinonen.

Zu den Projekten des Künstlers gehören die Veröffentlichung einer Reihe von werbeähnlichen Videos von Kelloggs Figur Tony the Tiger, die durch eine erwachsene Welt aus Prostitution, Polizeigewalt und Selbstmordattentätern geht (2015); die Eröffnung eines falschen Fastfood-Restaurants namens «Hunger King» in Budapest, Mit der «Schule des Ungehorsams» (2015) wollte Leinonen Widerspruch lehren sowie revolutionäre Ideen und konkrete Werkzeuge liefern, um die Welt zu verbessern, zur Bekämpfung der Anti-Homeless-Aktionen der ungarischen Regierung; und die Gründung einer gefälschten terroristischen Organisation namens Food Liberation Army, die Ronald McDonald, das Wahrzeichen der McDonald Fastfood-Kette, im Jahr 2011 entführte und vor laufender Kamera enthauptete. Der Fast-Food-Konzern hatte sich geweigert, mit den Kidnappern in einen Dialog über die Herkunft ihrer Rohstoffe und die Entsorgung ihrer Abfälle zu treten.

Leinonen absolvierte 2002 die Akademie der Bildenden Künste in Helsinki. Seine Werke wurden in Finnland und international in ausgestellt, u.a. im Nordischen Pavillon der 53. Biennale in Venedig, in der Galerie Gmurzynska, im Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen, im Frankfurter Kunstverein und im ARoS Aarhus Art Museum. Im Jahr 2015 hatte Leinonen eine erfolgreiche Retrospektive im Kiasma Museum of Contyemporary Art, Helsinki, mit dem Titel TheSchool of Disobedience, die 2016 mit ARoS Aarhus fortgesetzt wurde. Im Dezember 2016 erhielt Leinonen den Finnland-Preis des Ministeriums für Bildung und Kultur, der für eine bedeutende künstlerische Karriere, eine aussergewöhnliche künstlerische Leistung oder einen vielversprechenden Durchbruch verliehen wird.