Argentiniens gestohlene Kinder - Teil 1

  • Mittwoch, 23. Oktober 2013, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 23. Oktober 2013, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Montag, 28. Oktober 2013, 11:15 Uhr, SRF 1
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Vor 30 Jahren ging in Argentinien das dunkelste Kapitel in der Geschichte des Landes zu Ende. Noch immer kämpfen die «Abuelas de la Plaza de Mayo» um ihre verschwundenen Enkelkinder. Der Film zeigt die ergreifenden Schicksale der Familien, die damals vom Militärregime auseinandergerissen wurden.

Von 1976 bis 1983 herrschte in Argentinien eine brutale Militärdiktatur, in der Andersdenkende entführt, gefoltert und ermordet wurden. Schwangeren Frauen drohte ein besonders grausames Schicksal: Sie mussten ihre Kinder in geheimen Foltergefängnissen zur Welt bringen, danach wurden sie umgebracht, die Babys wurden unter den Militärs und regimetreuen Familien verteilt – als Kriegsbeute. Die Grossmütter dieser gestohlenen Kinder kämpfen seither darum, ihre Enkelkinder zurückzubekommen oder wenigstens zu erfahren, was mit ihnen passiert ist. Allen sind sie mittlerweile als «Abuelas de la Plaza de Mayo» ein Begriff.

Alexandre Valenti zeigt in seinem Film auf eindrückliche Weise, wie die sogenannten Oppositionellen plötzlich verschwanden und mit ihnen über 500 Kinder. So erzählt im Film Maria Chorobik de Mariani, eine der Gründerinnen der Abuelas, wie sie an jenem folgenschweren Nachmittag auf ihre Schwiegertochter und ihre Enkelin wartete, weil sie das kleine Mädchen hüten sollte. Beide sah sie nie wieder – die Schwiegertochter wurde umgebracht, und die Enkelin sucht sie bis zum heutigen Tag.

Der Film dokumentiert auch den Kampf der beiden Präsidentinnen der Abuelas, Estela Carlotto und Rosa Roisinblit. Auch sie suchen seit über dreissig Jahren ihre Enkelkinder und die anderen 500 gestohlenen Kinder der Diktatur. Viele haben sie bereits gefunden, aber längst nicht alle.

Gleichzeitig rollt der Film auch den Prozess gegen General Jorge Rafael Videla und andere Verantwortliche der Militärdiktatur auf, die 2012 endlich gerichtlich zur Rechenschaft gezogen wurden. Videla wurde zu 50 Jahren Haft verurteilt, mehr ein symbolischer Akt, denn kurz darauf ist der Diktator verstorben. Besonders erschütternd sind die Zeugenaussagen der Überlebenden der Militärgefängnisse und die uneinsichtigen Aussagen der Täter von damals.