Arlette – Mut ist ein Muskel.

  • Mittwoch, 29. April 2015, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 29. April 2015, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 30. April 2015, 5:10 Uhr, SRF 1
    • Montag, 4. Mai 2015, 11:15 Uhr, SRF 1
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Eine Reise von Afrika nach Berlin wird unverhofft zu einer Reise von der Kindheit ins Erwachsenenleben. Im Mittelpunkt des Films steht Arlette, ein kriegsversehrtes 15-jähriges Mädchen aus der Zentralafrikanischen Republik. In Berlin befreit sie eine Knie-Operation von jahrelangen Schmerzen.

Ein Film von Florian Hoffmann

Im Jahr 2010 beim Locarno Filmfestival. Der Film «Carte Blanche» von Heidi Specogna feiert seine Premiere. Eine Filmszene aus Zentralafrika schockiert besonders: Der damals erst fünfjährigen Arlette wird eine Schussverletzung am Knie mit einem einfachen Kräutersud ausgewaschen. Arlettes Leid, ihre Schreie bleiben dem Publikum in Erinnerung. Es formiert sich ein Unterstützerkreis, der Arlette eine medizinische Behandlung nach europäischem Standard ermöglichen möchte. Das ist der Anstoss für diesen Film «Arlette. Mut ist ein Muskel». Arlette geht auf Reisen. In ein Land mitten im Winter, in dem niemand ihre Sprache teilt.

Die plötzliche Aufmerksamkeit im Universitätsspital Charité Berlin überfordert Arlette. Bislang war sie es gewohnt, ihr wundes Knie unter dem Rockzipfel zu verstecken. Nun soll sie es allerorts vorzeigen. Röntgen, MRT, Ultraschall.

Alle wollen ihr helfen, doch keiner weiss letztendlich, wie. Wie nähert man sich einem Menschen, mit dem man nichts teilt, keine Erinnerung, keine Kultur, keine Sprache? Und wie geht Arlette damit um? Sie kämpft auf ihre Weise gegen die erdrückende Stille an. Sie dreht ihre afrikanische Popmusik auf oder plappert einfach die deutschen Worte ihrer Besucher nach, was sich immerhin anfühlt wie ein Dialog.

Die Operation gelingt. Über Nacht wird Arlette von den Schmerzen befreit. Eine Befreiung, die in Arlettes ganzem Wesen spürbar wird. Sie fasst neues Selbstvertrauen, tanzt zu ihrer Lieblingsmusik – trotz Katheter und Bettpflicht. Oder stiehlt sich aus dem Krankenzimmer und geht auf Erkundungstour. Als Berlin über Nacht von Schnee eingedeckt wird, findet der Wachschutz sie frühmorgens im Flügelhemd vor dem Krankenhaus. Eine Handvoll Schnee stopft sie sich gerade in den Mund und lässt ihn sich bibbernd auf der Zunge zergehen. Der erste Schnee in Arlettes Leben.

In der Rehaklinik wartet eine Überraschung auf Arlette: Die Physiotherapie findet von nun an im Schwimmbad statt. Arlette setzt sich in den Kopf, in den verbleibenden Wochen noch Schwimmen zu lernen. Ein Anruf zuhause im Dorf: «Wenn ich zurück bin, kann ich schwimmen!» «Wo willst du das vorführen – bei uns in der Trockensavanne?» Arlette verschwendet keinen Gedanken daran und lacht in den Hörer.

Eine filmische Langzeitbeobachtung – konsequent aus der Perspektive der jungen Zentralafrikanerin Arlette erzählt.

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