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DOK Auf den Spuren Paul Grüningers

Er rettete mehreren hundert Juden das Leben und wurde daraufhin aus dem Dienst als Polizeihauptmann entlassen: der St. Galler Paul Grüninger. Gerechtigkeit vor Recht, danach hatte er gehandelt. Florian Kröppel trifft in seinem Film Jonathan Kreutner, den Sohn eines dank Grüninger geretteten Juden.

Legende: Video Grüningers Erbe abspielen. Laufzeit 22:00 Minuten.
Aus Reporter vom 19.10.2014.

Als ich das erste Mal von Paul Grüninger hörte, recherchierte ich für einen Film über die Grenzen Österreichs. Ich lernte das Thema also zuerst von der anderen Seite kennen. Als ich dann selbst am alten Rhein stand, konnte ich besser nachvollziehen, was eine solche Flucht bedeutet. Ein Jahr darauf sah ich den Rohschnitt des Spielfilms «Akte Grüninger» und war davon überzeugt, dass diese Geschichte von vielen Seiten beleuchtet werden müsste.

Das Treffen mit «dem richtigen Mann»

Als Filmemacher kann man in verschiedene Rollen schlüpfen. Der Aufdecker, der Begleiter etc. Bei manchen Projekten aber erschöpfen sich diese Möglichkeiten. Und dieser Film war ein solches Projekt. Also machte ich mich auf die Suche nach jemandem, der sich dieselben Fragen stellte, wie ich es tat: «Warum hat niemand Grüninger Dank ausgesprochen?» In Jonathan Kreutner fand ich den richtigen Mann.

Der Sohn eines Geretteten

Jonathan Kreutner ist Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, SIG. Er ist Historiker und vor allem: der Sohn von Robert Kreutner, eines von Paul Grüninger Geretteten. Nichts deutete darauf hin, dass Jonathan Kreutner dieses Themas überdrüssig war, was mich sehr überraschte.

Kreutner ist im besten Sinne des Wortes «betroffen» von der Frage, warum es bis Mitte der 1990er-Jahre dauerte, bis Paul Grüninger rehabilitiert wurde. Warum hatte auch sein Verein, der SIG, so wenig dafür getan, warum hatten die von Paul Grüninger geretteten Juden so wenig unternommen, um das Andenken an diesen Menschen aufrecht zu erhalten. Warum musste dieser Mann verbittert und verarmt sterben?

Wieder am alten Rhein

Legende: Video Am alten Rhein abspielen. Laufzeit 0:48 Minuten.
Vom 19.10.2014.

Und da stand ich nun wieder, diesen Sommer. Am alten Rhein. Nur diesmal auf der anderen Seite. Und diesmal waren zwei Menschen bei uns, die viel mit diesem Ort verbinden. Jonathan Kreutner interviewte an Ort und Stelle seinen Vater Robert. Es war seltsam still an diesem Ort. Und Robert Kreutner erzählte seinem Sohn, dass er hier die Grenze passiert hatte: «Und wären wir zurückgeschickt worden, wären wir sicherlich in eines der Konzentrationslager gekommen.» Ein Mensch hat das verhindert: Paul Grüninger.

Zum Autor

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Florian Kröppel ist Regisseur und Theologe. Für seine Dokumentation «Bettler» wurde er 2012 mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Preis ausgezeichnet, einer der höchstdotierten Journalistenpreise Österreichs.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Ruth Stämpfli-Zaugg, Seedorf BE
    Ich danke Ihnen für diesen Dokumentarfilm und vor allem für die Reportage. Gerade in dieser Zeit der Fremdenfeindlichkeit finde ich es wichtig, dass Zeitzeugen oder wie in der Reportage, Nachkommen zu Wort kommen. Der Bericht von Jonathan Kreutner hat mich sehr berührt. Freundliche Grüsse Ruth Stämpfli-Zaugg
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  • Kommentar von Heidi Brunner, 6045 Meggen
    Der eindrücklichste Schweizerfilm aus meiner Sicht. Alle Personen in der Schweiz sollten ihn ansehen! - Ich bin 1939 geboren und weiss, dass aus heutiger Sicht ganz viele Entscheidungen von damals schwer verständlich bis unverständlich sind. Verpasste Gelegenheiten kommen leider nie zurück so leider auch Grüningers Rehabilitation nicht. Es gibt wohl keine Grenze zwischen juristischen und menschlichen Entscheidungen. Wo liegt sie? Wissen wir heute mehr?
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  • Kommentar von Elisabeth Henny, Basel
    Geschehen vor 75 Jahren. Es geht auch heute unter die Haut. Was geschieht heute? Wie gehen wir heute mit Problemen? Was tun wir heute für Gerechtigkeit? Haben wir aus der Geschichte gelernt?
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