Auge um Auge – Wie der libysche Diktator die Schweiz erpresste

Im Juli 2008 lässt der libysche Diktator Muammar Ghadhafi zwei Schweizer Geschäftsleute entführen. Fast zwei Jahre lang hält die Geiselnahme die Schweizer Diplomatie in Atem.

Ein Film von Anne-Frédérique Widmann und Marie-Laure Baggiolini

Der Dokumentarfilm zeigt, was wirklich geschah und stützt sich dabei unter anderem auf bisher unveröffentlichte Bilder einer Überwachungskamera.

Jahrzehntelang unterdrückte Muammar Ghadhafi seine Bevölkerung brutal. Wer es wagte, anderer Meinung zu sein, war seines Lebens nicht mehr sicher. Dann, im Juli 2008, geriet plötzlich auch die Schweiz in sein Visier. Die Genfer Justiz hatte es gewagt, seinen Sohn Hannibal festzunehmen, nachdem dieser sein Personal massiv misshandelt hatte. Der Diktator liess aus Rache zwei Schweizer Geschäftsleute entführen und kappte alle Verbindungen zu Bern.

Der Dokumentarfilm rekapituliert nochmals die dramatischen Ereignisse, und bisher unbekannte, noch nie ausgestrahlte Filmdokumente zeigen neue Aspekte dieser unglaublichen Affäre. Zu sehen sind unter anderem die Bilder der Überwachungskamera jenes Genfer Hotels, in dem Hannibal damals residierte. Sie zeigen die malträtierten Angestellten Hannibals. Und man sieht, wie sich die Polizei nach längerer erfolgloser Verhandlung den Weg zu Hannibals Zimmer freikämpft, gegen Ghadhafis Bodyguards.

Der Film zeigt aber auch bisher unbekannte Ausschnitte aus dem libyschen Fernsehen. Den Autoren gelingt es, fast alle beteiligten Akteure vor die Kamera zu holen. So erklärt beispielsweise der damalige Schweizer Botschafter in Libyen, wie er die Entführung erlebte. Und der zuständige Chefbeamte in Bern erläutert, wie die Eidgenossenschaft zu einem raffinierten Trick griff, welcher Ghadhafi schliesslich zum Nachgeben zwang.

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