Bergleben

Unsere Schweizer Alpen sind stumme Zeugen der Urkraft der Natur und ein starkes Touristenmagnet. Für uns Schweizer jedoch bedeuten die Berge Heimat, für manche sind sie Erholungsgebiet, für andere Sportarena und Rummelplatz und für gewisse sind sie schlichtweg Existenzgrundlage.

Fast magisch ziehen die Berge auch Flachländer an. Woher aber kommt diese unglaubliche Anziehungskraft? Bernard Weber spürt in seinem Film ‚Bergleben’ dieser Faszination nach und versucht herauszufinden wo der Mythos aufhört und wo die harte Realität beginnt.

Der 93jährige August Julen aus Zermatt stammt aus einer armen Bergbauernfamilie mit zwölf Kindern. Mit den gesamten Ersparnissen seiner Eltern baute er den ersten Skilift der Gegend und war später als Hotelier massgeblich am Aufbau des Tourismus in Zermatt beteiligt. Der Walliser war Bergführer von Walt Disney, Paul Getty, Ted Kennedy und vielen anderen Berühmtheiten. Er drehte schon früh ambitionierte Filme über das Leben in den Bergen. Für seine Leidenschaft schob er sogar die Hochzeit mit seiner heutigen Frau zehn Jahre lang hinaus. Trotz allen Verführungen des Lebens wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, seine Heimat und die Berge zu verlassen.

Die Pariserin Anne Laure Gausseron, 38, hat ihr Leben als erfolgreiche Produzentin des französischen Fernsehens hinter sich gelassen. Seit einem Jahr ist sie Novizin bei den Augustiner Chorherren im Hospiz auf dem Grossen Sankt Bernhard. In der kleinen Gemeinschaft und inmitten der atemberaubenden Bergwelt fühlt sie sich aufgehoben - und vermisst nichts von dem, was vorher ihr Leben ausgemacht hat. Die Berge geben ihr die innere Ruhe, um die kleinen Dinge in sich selbst zu hören.

Der 50jährige Urs Kessler ist der Chef der Jungfraujoch-Bahnen. Als einer der erfolgreichsten Tourismusmanager der Schweiz bringen er und seine 700 Mitarbeitenden jährlich 700 000 Besucherinnen und Besucher auf das Joch. Unermüdlich bearbeitet Kessler die internationalen Märkte, lockt immer mehr Reisende aus Asien auf «seinen» Berg und ruht sich keine Minute auf seinem Erfolg aus. Gerade baut er für 16 Millionen Franken eine neue Attraktion auf dem Joch. Die Vermarktung der Berge ist sein Leben und treibt ihn zu Höchstleistungen an.

Sepp Niederberger, 54, und Margrit Niederberger, 51, sind ein Bergbauernpaar im Kanton Nidwalden. Sie leben auf zwei verschiedenen Höfen und ziehen mit Vieh, Kindern und dem halben Hausrat sechs Mal im Jahr um. Der Wiesenberg und die Jahreszeiten bestimmen ihren Lebensrhythmus. Und obwohl Sepp Niederberger als Mitglied des mittlerweile berühmten Jodelklub Wiesenberg an der grossen weiten Welt geschnuppert hat, würde er die Ruhe auf dem Wiesenberg niemals gegen ein Leben in der Stadt eintauschen.

Ein Film von Bernard Weber

Bernard Weber vermittelt in seinem «Bergleben» auf humorvolle und lebensnahe Art Einblick in unterschiedlichsten Lebensentwürfen, wie und warum man in und mit den Bergen leben kann. Für das Publikum ist dies eine Gelegenheit, das eigene Verhältnis zu den Schweizer Bergen zu reflektieren.
Er realisierte bereits mehrere Dokumentarfilme fürs Kino und Fernsehen. Zuletzt «Die Wiesenberger» der dieses Jahr im Kino zu sehen war sowie «Elenas Chance» der 2010 ebenfalls von DOK ausgestrahlt wurde.