Bettys Mission – Geschichten vom Putzen

  • Donnerstag, 30. November 2017, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 30. November 2017, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 1. Dezember 2017, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 1. Dezember 2017, 11:15 Uhr, SRF 1
    • Montag, 4. Dezember 2017, 15:15 Uhr, SRF info

Wie gut kennen wir die Menschen die unseren Dreck wegputzen? Wo gehen sie hin, wenn sie unsere Wohnung blitzblank verlassen? Was kaufen sie mit dem bei uns verdienten Geld? «Bettys Mission» ist ein Film von «DOK»-Autorin Andrea Pfalzgraf über anonyme «Diener», über die wir kaum etwas wissen.

All diese Fragen konnte auch Dokfilmerin Andrea Pfalzgraf nicht beantworten. Dies obwohl sie ihre Wohnung seit Jahren alle zwei Wochen von einer Putzfrau reinigen liess: Betty. Erst als Betty nach 9 Jahren kündigt, lernt die Filmautorin ihre Putzfrau kennen und erfährt Erstaunliches. Nur für zwei Jahre wollte Betty in die Schweiz kommen, geblieben ist sie 23 Jahre lang. Ihre Lebensgeschichte handelt von Verzweiflung, Ausbeutung und einer Mission: Ihren beiden Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen.

Oder Steffen Berger. Der gelernte Koch hatte zeitlebens Freude am Putzen und dachte sich, dass er in der Schweiz eher Geld verdienen könnte als in seiner Heimat in Ostdeutschland. Nach ein paar Jahren als Angestellter eines Putzinstitutes ging dieses Konkurs und er verlor seinen Job. Vergeblich versuchte er ein Auskommen als selbstständiger Putzmann. Es wollte nicht klappen und die Liebe seines Lebens hat ihn auch verlassen. Jetzt fand er eine neue Arbeit in Ostdeutschland für 12 Euro die Stunde und kehrt in die alte Heimat zurück. «Ein guter Lohn» sagt er.

Immer mehr Privathaushalte in der Schweiz beschäftigen eine Putzhilfe. Die Mehrheit von ihnen wird schwarz beschäftigt. Es ist ein Heer von Unbekannten. Eine anonyme Mittelschicht wird von einer anonymen Unterschicht bedient. Viele Haushalte melden ihre Putzfrau nicht wie vorgeschrieben bei der AHV an, obwohl es seit 2011 mit dem vereinfachten Verfahren ein Klacks wäre. Das kann hohe Bussen zur Folge haben wie Ernesto Diethelm erfahren musste. Seine illegal beschäftigte Putzfrau, eine Frau ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz, wurde innerhalb einer Woche ausgeschafft und er zu einer Busse verurteilt.

Grob geschätzt, leben etwa 80'000 Menschen illegal in der Schweiz und die meisten von ihnen arbeiten. Sie lassen ihre Kinder in der Heimat zurück, um hier die Kinder Berufstätiger zu betreuen und Haushalte in Schuss zu halten oder um alte Menschen zu pflegen. So wie Maria. Sie ist dankbar für einen Monatslohn von 1700 Franken und schickt davon noch 300 Franken an ihre drei Kinder in Südamerika. Maria ist gefangen zwischen Pflichtbewusstsein, Ausbeutung und dem Wunsch, ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Autorin: Andrea Pfalzgraf
Kamera: Emil Fischhaber
Ton: Torsten Goddon
Schnitt: Jeanne Rüfenacht
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Leitung: Belinda Sallin

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