Brustkrebsgen: Risiko in die Wiege gelegt

Erst steckte sie den Kopf in den Sand, dann griff sie zur Kamera. In ihrem Film verarbeitet die holländische Filmemacherin Sacha Polak Fragen, die sie selbst betreffen: Sie ist Trägerin eines Gens, das ein Brustkrebsrisiko drastisch erhöht. Nun hat sie sich präventiv die Brüste amputieren lassen.

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Ein neuer Busen – Brustamputation wider Willen

52 min, aus DOK vom 23.11.2016

Von Sacha Pollak

Diesen Film habe ich im Jahr 2008 begonnen. Ich hatte herausgefunden, dass ich Trägerin des BRCA1-Gens bin und wusste nicht, was ich tun sollte: Als Präventivmassnahme meine Brüste entfernen oder abwarten, was das Leben mit mir vorhatte? Ich war gar nicht so sehr beunruhigt von der Vorstellung, dass ich Brustkrebs bekommen könnte. Ich lebte meinen Alltag, steckte den Kopf in den Sand. Auch hatte ich keine Angst, dass ich sterben könnte.

Sacha Polak im Spital

Bildlegende: Sacha Polak im Spital SRF

Mit zunehmendem Alter beschäftigte mich die Frage immer mehr, und ich begann zu filmen. Der Film war für mich der Weg, um mich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Es drängte mich nach dem Film, um Antworten auf all meine Fragen zu finden. Ich wollte mit Frauen sprechen, die in der gleichen Lage waren wie ich. Ich wollte wissen, was ich zu erwarten hatte.

Warum sollte ich etwas tun? Die Ärzte überlassen die Entscheidung den Patientinnen. Sie machen gerade mal statistische Angaben: 60 bis 80 Prozent Brustkrebsrisiko, 40 bis 60 Prozent Eierstockkrebsrisiko.

Ein Film über den Willen zum Leben

Wer war der beste Chirurg? Wie sehen Brustimplantate aus? Wie fühlen sie sich an? Ich wollte alles wissen.

Originalcover von Polaks Film «New Boobs».

Bildlegende: Originalcover von Polaks Film «New Boobs». SRF

Und ich wollte aus diesem insgesamt negativen Thema etwas Positives machen. Ich wollte Besänftigung und Versöhnung an einen Ort voller Hässlichkeit und Schmerz bringen. Ich wollte einen schönen Film machen über den Willen zu leben und die Entscheidungen, die damit verbunden sind. Ich wollte ein persönliches und intimes Dokument schaffen, das für andere, die mit der gleichen Frage konfrontiert sind, von Nutzen sein kann.

Anderseits wollte ich auch einen Film machen für Menschen, die nichts mit Brustkrebs zu tun haben. Diese sollten ein besseres Verständnis für Frauen gewinnen, die wie ich dem Risiko von Brustkrebs ausgesetzt sind.

Vielleicht werden die Kenntnisse, die wir heute haben, bis in zehn Jahren überholt sein. Wer weiss, ob es bis dann schon eine Pille gegen Krebs gibt? Vielleicht wird man in zehn Jahren schockiert sein über diesen Film und die idiotischen Entscheidungen, vor welche die Menschen zu der Zeit gestellt waren. Ich hoffe aufrichtig, dass dies der Fall sein wird.

Übersetzung: Christoph Ullmann

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Sacha Polak über ihr Leben nach der Brustamputation

1:48 min, vom 25.3.2015

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