Das Geschäft mit der Nächstenliebe

  • Mittwoch, 18. Dezember 2013, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 18. Dezember 2013, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Montag, 23. Dezember 2013, 11:10 Uhr, SRF 1
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Besonders in der Weihnachtszeit wollen viele Leute spenden und Gutes tun. Doch mit der internationalen Hilfe ist es wie mit anderen Branchen auch. Hilfsorganisationen können nur überleben, wenn die Kasse stimmt. Oft wird deshalb nur ein Teil der Gelder für den ursprünglich angegeben Zweck verwendet.

Das Geschäft mit der Wohltätigkeit boomt: Es gibt über 40' 000 international tätige Hilfsorganisationen mit 19 Millionen Angestellten (ohne freiwillige Helfer) und einem jährlichen Budget von 1'000 Milliarden Dollar.

In Frankreich zum Beispiel spenden 56 Prozent der Menschen rund 200 Euro pro Jahr. Viele wollen aber nicht einfach nur Geld spenden, sondern reisen mit einer Hilfsorganisation in ein Entwicklungsland, um dort Gutes zu tun. Diese neue Form von «Entwicklungshilfe» boomt. Nicht selten treffen die freiwilligen Helfer vor Ort aber eine komplett andere Situation an, als ihnen die Hilfsorganisationen versprochen haben.

Die Spendierfreudigkeit nimmt zu. Jedes Jahr nehmen die internationalen Hilfsorganisationen im Durchschnitt rund fünf Prozent mehr Spenden ein. Humanitäre Hilfe wird gross geschrieben – besonders dann, wenn das mediale Interesse hoch ist, und speziell bei Katastrophen wie dem Erdbeben in Haiti oder dem japanischen Tsunami, als über 320 Millionen Euro zusammenkamen.

Doch was geschieht wirklich mit dem gesammelten Geld? Dieser Frage geht die französische Journalistin Sophie Bonnet in ihrem Film «Charity Business» nach. Sie will herausfinden, wohin das Geld geht, das nichtsahnende Spenderinnen und Spender zahlen, in der Annahme, es komme Menschen in Not zugute. Bonnet heuert selbst als freiwillige Helferin an und geht in ein Waisenhaus nach Kambodscha, wo sie auf unhaltbare Zustände trifft, sie geht nach Haiti und auch nach Burkina Faso, wohin jedes Jahr enorme Spendenbeiträge aus Frankreich fliessen. Mit ihren hartnäckigen Fragen an die Verantwortlichen legt sie Schwachstellen und kostenintensive Abläufe innerhalb gewisser Hilfsorganisationen schonungslos offen.