Die letzten Gärtner - Betrachtungen über das Wachstum

DOK Sélection, Folge 7

Die Gärtnerei Freitag im Zürcherischen Opfikon muss diesen Frühling der Grossüberbauung Glattpark weichen. Das Milliardenprojekt am Stadtrand von Zürich ist für Investoren und Grundeigentümer eine Goldgrube. Für die Bewohnerinnen und Bewohner ist es ihr neues Zuhause.

Ein Film von Belinda Sallin

Für Ursi Freitag bedeutet der Boden des Oberhauserriets im Zürcherischen Opfikon mehr als das halbe Leben. Seit drei Generationen baut die Familie Freitag Gemüse an und verdient sich so ihren Lebensunterhalt. Zwar fährt Ursi Freitag nicht mehr mit Ross und Wagen auf den Markt wie es ihre Grossmutter und ihr Vater noch taten, aber zusammen mit ihrem Partner Beat Waldvogel hält sie die Familiengrundsätze hoch: Qualität, Fleiss und ein sorgfältiger Umgang mit den Ressourcen. Ursi Freitag und Beat Waldvogel sind noch die letzten, die den Boden im Oberhauserriet bestellen. Alle anderen Gärtner und Bauern sind schon weg. «DOK» begleitet Ursi Freitag und Beat Waldvogel bei ihrem Abschied und dokumentiert die Entstehung des von Grund auf völlig neuen Stadtteils von Opfikon.

Glattpark statt Oberhauserriet

Nun muss auch die Gärtnerei Freitag der gigantischen Überbauung weichen. Es entsteht ein komplett neuer Stadtteil mit Wohnraum und Arbeitsplätzen für insgesamt etwa 14‘000 Menschen. Das Gebiet heisst jetzt nicht mehr Oberhauserriet sondern Glattpark.

Mehr als vierzig Jahre hat es gedauert, bis sich die zahlreichen Grundeigentümer und die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Opfikons auf einen Quartierplan einigen konnten. Die Geschichte der rund 70 Hektar grossen Wiese ist turbulent und spiegelt einen Teil der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. In den 80er Jahren als «teuerste Wiese Europas» betitelt, wagte nach der damaligen Abkühlung auf dem Immobilienmarkt niemand mehr eine Prognose. Noch Anfang 2000 war die Skepsis gross, ob sich Wohnungsmieter und -käufer für ein Gebiet finden würden, das an der Autobahn und in unmittelbarer Nähe zum Flughafen liegt.

Zürich Nord - Eine der grössten Baustellen in der Schweiz

Trotz Unsicherheiten auf dem Immobilienmarkt sind die Landpreise über die vergangenen Jahrzehnte stetig gestiegen und haben sich vervielfacht. Zu den grossen Gewinnern dieser Preissteigerung gehören die Grundeigentümer. Bruno Buttis Vater beispielsweise erstand in den 50er Jahren billig Land im Oberhauserriet. Das letzte Stück des geerbten Landes verkaufte Butti vor zwei Jahren, das brachte ihm mehrere Millionen ein.

Inzwischen ist Zürich Nord eine der ganz grossen Boomregionen in der Schweiz und der Glattpark ist mit einem Investitionsvolumen von gegen drei Milliarden Franken die grösste Baustelle des Landes. Grossbanken, Versicherungen, Pensionskassen: Alle grossen Investoren sind mit von der Partie. Bereits ist die erste Etappe fertig gestellt. Schon leben gut 2'000 Menschen dort. Sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Niemand hat dort seine Wurzeln. «DOK» zeigt, was das für die neu Zugezogenen heisst.

Erstausstrahlung: 30.05.2013