Eine Spionageaffäre, die die Schweiz erschüttert

1. Weltkrieg. Die Schweiz besitzt einen Trumpf, den die kriegsführenden Mächte nicht haben: Ein Kryptograf kann sämtliche Geheimbotschaften entschlüsseln. Die Schweizer Armeeführung übermittelt sie im Geheimen dem deutschen Generalstab – doch die Sache fliegt auf. Die Romandie reagiert mit Empörung.

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Demonstration gegen die Spionageoffiziere in Genf

0:12 min, vom 2.10.2015

So spaltet die Spionageaffäre die Schweiz: In der Romandie verweigern Soldaten ihren Dienst, Hunderte gehen auf die Strasse, die deutsche Fahne wird heruntergerissen. Erst nach und nach erkennt der Bundesrat die innenpolitischen Auswirkungen der Affäre. Er beschliesst, diese in einem Militärprozess aufarbeiten zu lassen.

Die deutsche Schweiz hingegen stellt sich mehrheitlich hinter die beiden Spionageoffiziere. Hier sympathisiert man teilweise offen mit dem Deutschen Reich und Kaiser Wilhelm. General Ulrich Wille legt dem Bundesrat sogar nahe, sich Deutschland anzuschliessen und Frankreich anzugreifen. Bis zuletzt hofft er auf einen deutschen Sieg.

Frankreich weiss, dass die Schweizer Armeeführung eng mit Deutschland kooperiert. Deshalb beabsichtigt Frankreich, militärisch Profit aus der Spionageaffäre zu schlagen. Französische Armeeplaner arbeiten am Geheimprojekt «Plan H»: Unter dem Vorwand, der französischsprechenden Schweiz zur Hilfe zu eilen, will die Frankreich via Schweiz Deutschland in den Rücken fallen.

Über den französischen Plan hat der Schweizer Militärhistoriker Hans Rudolf Fuhrer ausführlich geforscht:

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Hans Rudolf Fuhrer zum «Plan H»

1:24 min, vom 8.10.2015