Europa in Zeiten des Aufruhrs - Stunde der Nationalisten

Einem ganzen Kontinent wird klar: Die Zeit der Gewissheiten ist vorbei. Europa befindet sich in einer tiefen Krise, die weit mehr ist als eine Wirtschaftskrise. Der Unmut der Öffentlichkeit entlädt sich in Massendemonstrationen, wüsten Strassenschlachten und Generalstreiks von Lissabon bis Athen.

Ein Film von Simon Christen

Die etablierten Parteien und der von ihnen beschworene «Geist von Europa» scheinen diskreditiert. Populistische Nationalisten von links und von rechts haben in zahlreichen Ländern Europas Rückenwind. In Griechenland machte der Linkspopulist Alexis Tsipras aus der völlig unbedeutenden 5-Prozent-Partei «Syriza» im Zuge der Krise die wichtigste Oppositionspartei mit heute 27 Prozent Wähleranteil. In Frankreich erzielte Marine Le Pen, Vorsitzende des rechtspopulistischen «Front National», bei den diesjährigen Wahlen das beste Ergebnis in der Parteigeschichte.

Und in Österreich hat Heinz-Christian Strache mit seiner rechtspopulistischen FPÖ laut Umfragen gute Chance, bei den nationalen Wahlen 2013 stärkste Kraft zu werden. Allen gemeinsam ist ihr Kampf für mehr nationale Souveränität und für mehr demokratische Rechte in Bezug auf die künftige Architektur der EU und der Währungsunion, womit sie offenbar vielen Bürgern aus den Herzen sprechen.

DOK hat alle drei Länder bereist, mit Populisten und Bürgern gesprochen und die gesammelten Eindrücke mit nach Brüssel genommen, um sie dort mit einem der einflussreichsten europäischen Politiker zu diskutieren: mit Jean-Claude Juncker, dem Vorsitzenden der Euro-Gruppe. «Dass unsere Politik nicht auf Zustimmung stösst, das ist unverkennbar, dass sich die europäische Politik in einem Erklärungsnotstand befindet, ist auch offensichtlich», sagt Juncker im Interview mit DOK, «aber dass wir tun müssen, was wir tun, steht ausser Frage.»

Team

Mitarbeit: Adrian Arnold, Jonas Projer, Erwin Schmid, Werner van Gent
Kamera: Raphael Gubler, Björn Kathöfer
Schnitt: Serge Wohlgensinger
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Redaktion: Nathalie Rufer
Leitung: Marius Born

Interview mit Hanspeter Kriesi

Hanspeter Kriesi, Jahrgang 1949, gehört zu den renommiertesten Politologen Europas. Seine Forschungsschwerpunkte sind direkte Demokratie, soziale Bewegungen, öffentliche Meinungen und Meinungsbildung, politische Parteien, Wahlen und Abstimmungen. Von 2005 bis 2012 war er Direktor des Forschungsprogramms NCCR-Democracy des Schweizer Nationalfonds. Der NCCR Democracy untersucht die wichtigsten Herausforderungen für die Demokratie im 21. Jahrhundert.

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