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DOK Gaza: Sehnsucht nach Normalität

Nach vielen Jahren kehrt der ehemalige SRF-Nahostkorrespondent Tilman Lingner für einen «Reporter» in den Gazastreifen zurück. Obwohl er das Gebiet aus den Jahren zwischen 2000 und 2004 kennt, ist er aufs Neue überrascht.

Legende: Video Der Hoffnungsträger abspielen. Laufzeit 22:00 Minuten.
Aus Reporter vom 09.11.2014.

Als ich meinen Kollegen mitteilte, dass ich für einen «Reporter» über den Generalkommissar der UNRWA Pierre Krähenbühl nach Gaza will, schauten mich manche besorgt an: «Ist dir das nicht zu gefährlich?»

Dem Kameramann Matthias Gruic offerierten ein paar gute Seelen des Senders vorsorglich zwei kugelsichere Westen. Wir verzichteten darauf.

Unbegründete Angst vor Anfeindungen

Legende: Video Yahya Elshaer, Muezzin: «Alles kaputt, warum?» abspielen. Laufzeit 1:03 Minuten.
Vom 09.11.2014.

Doch einen Tag vor unserer Reise nach Gaza wurde mir dann doch etwas mulmig. Obwohl ich als Journalist weiss, dass die Berichterstattung zwangsläufig den Fokus auf die schlimmsten Ereignisse richtet, habe ich mich gefragt, ob wir als fremdes Reporterteam nicht angefeindet werden könnten.

Die Überraschung war gross. Die Menschen waren nett, neugierig, wollten erzählen und uns alles zeigen. Selbst in Shejaiya, dem Randbezirk von Gazastadt, der im Krieg fast dem Erdboden gleich gemacht worden war, wurden wir freundlich behandelt.

Frauen zeigen Selbstvertrauen

Legende: Video Pierre Krähenbühl: «Ich bin mit allen Parteien im Dialog.» abspielen. Laufzeit 1:22 Minuten.
Vom 09.11.2014.

Von meiner Zeit als Nahostkorrespondent zwischen 2000 und 2004 kannte ich Gaza. Dennoch musste ich erneut lernen, dass der Gazastreifen nicht nur aus zerschossenen Leibern, heulenden Müttern und martialischen Kämpfern besteht.

Es gibt auch Normalität. Es gibt Menschen, die ganz bürgerliche Träume haben, ein einfaches Auskommen finden wollen, einer Arbeit nachgehen und sich ein bisschen Wohlstand erschaffen möchten. Seit die Hamas an der Macht ist, tragen die Frauen zwar fast ausnahmslos den Hidschab, aber auch sie zeigen Selbstvertrauen, machen sich schön, schätzen bunte Stoffe und schminken sich.

Wir haben gesehen: Es gibt auch eine Welt jenseits von Fundamentalismus, Krieg und Hass. Gaza ist nicht nur ein Ort des Schreckens, es kann beinahe auch schön sein.

Zum Autor

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Tilman Lingner arbeitet seit 2012 für das Wirtschaftsmagazin «Eco». Seit 1999 ist er für SRF tätig, erst als Nahostkorrespondent, später als US-Korrespondent.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Ein nettes UNRWA-Propaganda-Filmchen hat Herr Tilgner hier gedreht. Es werden Bilder der Zerstörung gezeigt, mit Pierre Krähenbühl als stets präsente moralisierende Figur, um uns daran zu erinnern, dass an all dem die phösen Israelis Schuld sind. Kein Wort der Kritik an die Hamas, ohne deren Terror und Jihad gegen Israel Gaza ein kleines Paradies sein könnte. Kein Wort, dass UNRWA nichts anderes als ein Handlanger der Hamas ist und keine Bedingungen an den Fluss von Hilfsgeldern geknüpft werden.
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  • Kommentar von Peter Müller, Freienstein
    Es ist skandalös, dass bei der Berichterstattung über den Gaza-Konflikt Ursache und Wirkung nicht klar auseinandergehalten werden. Der Raketenbeschuss und der Bau der Tunnels haben nach dem Rückzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen begonnen. Ohne die andauernden Aggressionen seitens der Hamas-Regierung hätte es keinen Krieg gegeben. Erstaunlich, wie es der Hamas gelingt, mit ihrem hinterlistigen Verhalten gegenüber der eigenen Bevölkerung die oberflächliche Welt gegen Israel aufzuhetzen.
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    1. Antwort von Hans Meier, Zug
      Sehr geehrter Herr Müller, unternehmen sie doch mal einen Ausflug in den Gazastreifen und überprüfen selbst vor Ort wie stark die Hamas dort als Regierung vertreten ist. Israel ist ein Verbrecherstaat. Das hat rein gar nichts mit Antisemitismus zu tun, wie könnte es auch ? Israel ist nur ein kleines unter all den Semitischen Völkern. Wieso ein Verbrecherstaat ? Vergleicht man die Todeszahlen der Zivilisten auf beiden Seiten:Israel nicht mehr als 5, Palästina 2101 sollte jedem ein Licht aufgehen
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  • Kommentar von Hedwig Troxler, 6210 Sursee
    Sehr geehrter Herr Lingner ich danke Ihnen sehr für den sachlichen, aufrüttelnden und zu Herzen gehenden Film über die Lage in Gaza. Auch die Arbeit von Herrn Pierre Krähenbühl ist beeindruckend und überzeugend. Auch ihm gehört ein grosser Dank. Als meine Schwester Martha von 1998-2004 im Kinderspital in Betlehem arbeitete, konnte ich viel über das Land der Palästinenser u.Israelis erfahren u. erleben. Vor der 2.Intifada reichte es sogar für einen Besuch in Gaza-Stadt. Dank u.Gruss H. T.
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