Griechenland, Stunde Null

  • Mittwoch, 1. Juli 2015, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 1. Juli 2015, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 2. Juli 2015, 5:10 Uhr, SRF 1
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Griechenland – wie weiter? Grexit oder doch nicht? Mit dem Euro oder zurück zur Drachme? Wird sich das griechische Volk von ihrer derzeitigen Regierung abwenden oder nicht? Bei den vielen Fragen, die sich derzeit auftürmen, fragt man sich wiederholt ganz schlicht: Wie konnte es soweit kommen?

Ein Film von Jean Quatremer

In seinem Dokumentarfilm geht Jean Quatremer genau dieser Frage nach und kommt zum Schluss: Die Griechen haben immer wieder gegen den Euro-Stabilitätspakt verstossen. Politiker und Bürger teilen dieselbe Analyse: Was in Griechenland zur Staatspleite führte, war ein von Vetternwirtschaft und Korruption zerfressenes System. Aus historischen Gründen, nicht zuletzt bedingt durch vier Jahrhunderte osmanischer Herrschaft, hat es das Land nie geschafft, einen funktionierenden Staat nach dem Modell westlicher Demokratien zu schaffen – Steuerhinterziehung, Korruption, Sozialbetrug und Schattenwirtschaft blühten.

Das Ausmass der Katastrophe lässt sich an einem einfachen Zahlenbeispiel veranschaulichen: Hätten die Griechen zwischen 1999 und 2009 ihre Steuern gezahlt, hätte sich das Land niemals verschulden müssen. Und die EU, die sich dieser Realität wohl bewusst war, hätte dieses Land niemals in die Eurozone aufnehmen dürfen. Mit anderen Worten: Die EU trägt eine unbestreitbare Mitschuld an der Misere Griechenlands.

Aber Griechenland wird nicht dauerhaft unter den drastischen Sparplänen leiden. Mit EU-Hilfen hat das Land begonnen, den Staatshaushalt wieder auf solide Füsse zu stellen. Dazu gehören Steuererhöhungen, Gehaltskürzungen und ein späterer Renteneintritt. Der öffentliche Dienst soll verschlankt werden.

Der Aufbau eines neuen Staates gelingt aber nicht über Nacht: Strukturen müssen geschaffen werden, aber vor allem müssen nach Jahrzehnten der Korruption Veränderungen in den Köpfen stattfinden. Eine Gesellschaft lässt sich nicht so leicht umstrukturieren wie ein Unternehmen; die Risiken populistischer Entgleisungen sind dabei hoch. Wird es Griechenland ohne internationale Hilfe schaffen? Die Zeit wird knapp.

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