Hinter dem Altar

  • Mittwoch, 20. Februar 2019, 20:50 Uhr, SRF 1
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 20. Februar 2019, 20:50 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 21. Februar 2019, 2:25 Uhr, SRF 1
    • Montag, 25. Februar 2019, 11:15 Uhr, SRF 1
Hinter dem Altar

Am 21. Februar beginnt im Vatikan eine Konferenz, welche weltweit Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Tausende werden sehr genau hinhören, was gesagt wird: Menschen, die Opfer eines Missbrauchs wurden. Papst Franziskus hat die Konferenz einberufen, um den «Schutz von Minderjährigen» zu besprechen.

Ein Film von Jesus Garcés Lambert, Lucio Mollica, Vania Del Borgo, John Dickie

Ein Krisentreffen – denn seit Jahren wird die katholische Kirche von Missbrauchs- Skandalen erschüttert. Lange Zeit tat sich die Führung schwer damit, das vermeintlich Unmögliche wahrzunehmen. Erst Papst Benedikt XVI. führte offiziell eine Politik der Nulltoleranz ein und verlangte strenge Richtlinien gegen den Missbrauch von Kindern. Als sein Nachfolger Franziskus 2013 gewählt wurde, weckte er die Hoffnung, dass nun nicht nur fehlbare Pfarrer bestraft würden, sondern auch deren Vorgesetzte in der kirchlichen Hierarchie, welche oft die Übeltäter gedeckt hatten.

Was wurde daraus? In seinem Film untersucht der britische Historiker John Dickie den Umgang der Kirche mit pädophilen Pfarrern. Auf einer Reise von Italien über Frankreich, die USA und nach Argentinien entdeckt er bisher unbekannte Fälle von Kindesmissbrauch und zeigt, wie die Kirche oft zu wenig tat und wie es ihr noch heute schwerfällt, die Wahrheit anzuerkennen und darauf zu reagieren.

John Dickie spricht mit Opfern und zeigt, wie skrupellos die Täter manchmal vorgingen. So macht er auf das Schicksal der Opfer aufmerksam, denen oft niemand glauben mochte, manchmal nicht einmal die eigene Mutter. Denn der Pfarrer war ja eine Autoritätsperson und daher ein unfehlbares Vorbild. Die Zeugnisse der Opfer zeigen, in welche Seelennöte ein Kind gerät, wenn sein Vertrauen in den Pfarrer von diesem missachtet und missbraucht wird.

Der Film lässt auch Staatsanwälte zu Wort kommen und legt dar, wie die von den Päpsten Benedikt und Franziskus propagierte Nulltoleranzpolitik teilweise ausgelegt wurde: In einigen Fällen wurden pädophile Pfarrer einfach versetzt und konnten im Ausland weiter ihr Unwesen treiben. Anhand einer Statistik des Vatikans rechnet John Dickie vor, dass drei Viertel aller Pfarrer, gegen welche zwischen 2004 und 2012 glaubhafte Anschuldigungen vorlagen, ihr Amt weiterhin ausüben durften.

Erstausstrahlung: 13. Dezember 2017

Was seit der Erstausstrahlung des Films geschah:

Chile

Am Anfang des Films wird der Protest von Opfern in Chile thematisiert – sie wehren sich gegen die Berufung eines Bischofs durch den Papst. Die Demonstranten werfen dem Bischof die Vertuschung sexueller Missbräuche vor.

  • Entwicklung: Dieser Bischof ist im Juni 2018 zurückgetreten.

Frankreich

Im Film wird die Situation in Lyon thematisiert, wo ein Mann seinen erlittenen Missbrauch durch einen Pfarrer schildert. Er war damals 9 Jahre alt. Als Erwachsener wandte er sich an den Erzbischof von Lyon, Kardinal Barbarin – der ihn zu einem gemeinsamen Gebet einlud.

Dutzende weitere Opfer brachten Anschuldigungen gegen den Pfarrer vor.

  • Entwicklung: Im Januar fand in Lyon der Prozess gegen Kardinal Barbarin (und Mitangeklagte) statt. Kardinal Barbarin wird vorgeworfen, den Pfarrer gedeckt zu haben, Barbarin weist die Vorwürfe zurück. Das Gericht hat noch keinen Entscheid gefällt.

Australien

Im Film wird Kardinal George Pell gezeigt, der in Australien wegen mehrfacher sexueller Übergriffe vor Gericht steht. Von seinem Amt als Finanzchef des Vatikans ist er zurückgetreten.

  • Entwicklung: Im Dezember 2018 hat ein Geschworenengericht in Melbourne Pell für schuldig befunden wegen sexuellem Missbrauch von Minderjährigen. Ein zweiter Prozess gegen ihn soll im Frühling beginnen.

USA

Im Film wird thematisiert, dass die Polizei in Altoona-Johnstown (Pennsylvania) das Büro des Bischofs durchsucht und ein geheimes Archiv findet, in dem die lokale Diözese hunderte Fälle von sexuellem Missbrauch aus den letzten 40 Jahren schubladisiert hatte.

  • Entwicklung: Im August 2018 veröffentlicht ein Geschworenengremium des Bundesstaates Pennsylvania einen Bericht. Darin wurden glaubwürdige Indizien gegen mehr als 300 katholische Priester zusammengetragen. Rund 1000 Kinder und Jugendliche seien missbraucht worden. Generalstaatsanwalt Josh Saphiro, der die bisherigen Ermittlungsergebnisse vorstellte, geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Kirche in Pennsylvania habe die Täter zudem meist jahrelang gedeckt, deshalb könnten viele Vergehen nun nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

Italien/Argentinien

Im Film wird der Fall von Pater C. thematisiert. Dieser hat an einer Hörbehinderten-Schule in Italien einen Schüler sexuell missbraucht – der Pater wurde angeklagt und später in Argentinien verhaftet. Er hatte dort – an einem Ableger derselben italienischen Schule - wieder mit hörbehinderten Kindern zu tun. Nach Auskunft von Staatsanwalt Alejandro Gullé (Mendoza) begannen nach der Ankunft von Pater C. eine Reihe schwerster Straftaten; Verführung von Minderjährigen, Vergewaltigungen, Missbrauch. Pater C. wurde unter Hausarrest gestellt.

  • Entwicklung: Pater C. wartet auf den Prozess. Unterdessen wurde ein ehemaliger Mitarbeiter des Instituts im Zusammenhang mit den Missbräuchen zu einer 10jährigen Gefängnisstrafe verurteilt.