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Arabische Touristen Hinter dem Schleier

Es ist nicht ganz einfach, an Frauen mit Gesichtsschleier heranzukommen. Autorin Marianne Kägi hatte dazu auf dem Brienzersee Gelegenheit. Die Schweiz ist bei arabischen Touristen immer beliebter und wirbt auf allen Kanälen um sie.

Legende: Video Verschleiert – Arabische Touristen in der Schweiz abspielen. Laufzeit 49:41 Minuten.
Aus DOK vom 28.09.2017.

Am Hafen in Interlaken wartet die «Iseltwald» auf die Gäste. Frauen in langen Gewändern, den Kopf bedeckt, einige mit Niqab, einem Gesichtsschleier. Eine von ihnen ist Khoudour Al Harbi aus Saudiarabien. Mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern ist sie in die Schweiz gereist und möchte den Abend auf dem Brienzersee geniessen. Auf der «Halalcruise», welche Interlaken Tourismus für die meist arabischen Gäste anbietet. «In Europa ist es nicht einfach, halal zu Essen, deshalb sind wir dankbar für dieses Angebot», sagt ihr Mann Youssef Naif.

Im Adventure-Park in Interlaken: Saudische Touristin
Legende: Im Adventure-Park in Interlaken: Saudische Touristin SRF

Die Etikette verlangt, dass zuerst der Mann um Erlaubnis gefragt wird, ob der Übersetzer seine Frau ansprechen darf. Wir haben Glück, denn sonst lassen viele Männer nicht zu, dass ihre Frauen im Fernsehen auftreten. Khouddour Al Harbi, die Frau hinter dem Schleier, freut sich sehr über unser Interesse an ihr und ihrer Familie. «Wir lieben die Schweiz. Hier sind alle so freundlich, und die Natur ist wunderschön», sagt sie. «Die Temperatur ist so viel angenehmer als bei uns in Saudiarabien.»

Wir lieben die Schweiz. Hier sind alle so freundlich, und die Natur ist wunderschön

Wir fragen Sie, wie es für sie, die voll Verschleierte, ist, wenn sie Europäerinnen sieht, die viel mehr Haut zeigen. «Das ist doch Eure Kultur, jeder ist frei zu tragen, was er möchte, wir sind zu Gast und respektieren das.» Sie trage ihren Gesichtsschleier wegen der Religion. In ihrer Kultur müsse es sein, dass Frauen so angezogen sind.

Der viele Stoff wirkt umständlich, ihr halbjähriger Sohn macht sich immer wieder am Gesichtsschleier zu schaffen. Mehrmals geht sie auf das Heck des Schiffes, wendet sich von den anderen Passagieren ab und löst die Schleife, um den Schleier neu zu befestigen. Nur kurz ist ihr Gesicht zu sehen: Als sie sich ein paar Löffel Mangosorbet gönnt. Dazu hebt sie den Schleier jeweils kurz an und deckt den Mund jedoch rasch wieder zu.

Wollt Ihr denn, dass wir Saudi-Araber nicht mehr zu Euch reisen können?
Khoudour al Harbi kann nicht verstehen, warum es in der Schweiz Leute gibt, die den Gesichtsschleier verbieten wollen
Legende: Khoudour al Harbi kann nicht verstehen, warum es in der Schweiz Leute gibt, die den Gesichtsschleier verbieten wollen SRF

Wir erzählen ihr, dass in der Schweiz Politiker Unterschriften sammeln für eine Volksinitiative, die das Verhüllen von Gesichtern verbieten soll. «Warum machen Sie das?», fragt Khoudour al Harbi. Für sie ist es undenkbar, in den Ferien auf ihren Schleier zu verzichten. Es sei doch bereits in Österreich und im Tessin verboten, das Gesicht zu verschleiern. «Wollt Ihr denn, dass wir Saudi-Araber nicht mehr zu Euch reisen können?» Immer wieder fragt sie nach dem Warum. «Ist es vielleicht die Angst vor Frauen wie mir?»

Gross kann die Angst nicht sein, zumindest nicht bei Schweiz Tourismus. Trotz Diskussionen um ein Burka-Verbot in der Schweiz wirbt dieser aktiv um die Gäste aus den Golfstaaten.

Mit einer Serie erhalten wir eine gute Werbefläche in arabischen Ländern

So drehte im Februar 2017 ein arabisches Filmteam auf Einladung des Tourismusförderer die Seifenoper «Galbi Maai» in Interlaken und Thun. Eine Serie mit Starbesetzung. Gedreht wurde vor dem Hotel Beau Rivage, auf dem Eisplatz, auf dem Niederhorn. Die Hauptrolle hat die im arabischen Raum sehr berühmte Schauspielerin Mayssa Maghrebi.

«Mit einer Serie erhalten wir eine gute Werbefläche in arabischen Ländern», sagt Stefan Ryser von Interlaken Tourismus. Mit Hilfe von Schweiz Tourismus sucht Interlaken immer neue Wege, um mehr arabische Gäste anzuziehen. Man offeriert dem Filmteam Flüge und Übernachtungen – und erwartet als Gegenleistung Werbung für die Schweiz.

Es ist nicht die erste Serie, die auf Einladung von Schweiz Tourismus entsteht. Bereits vor zwei Jahren drehte eine Produktionsfirma eine Seifenoper in Luzern. Während des Fastenmonats Ramadan wurde jeden Tag eine Episode ausgestrahlt. Werbung, die ankam: «Im Monat nach Ramadan hatte die Region über hundert Prozent mehr Besucher aus dem arabischen Raum», erinnert sich Matthias Albrecht. Er ist bei Schweiz Tourismus zuständig für die Golfstaaten. «Es gab sogar direkte Telefonate in die Hotels, in denen gedreht wurde – unmittelbar nach der Sendung.»

Nach den Dreharbeiten: Tonoperateur Marcel Linder, Autorin Marianne Kägi, der arabische Superstar Mayssa Maghrebi und Kameramann Sergio Cassini.
Legende: Nach den Dreharbeiten: Tonoperateur Marcel Linder, Autorin Marianne Kägi, Mayssa Maghrebi und Kameramann Sergio Cassini. SRF

Schauspielerin Mayssa Maghrebi, schwärmt von der Schweiz als Drehort: «Hier finden wir beste Qualität: Es ist schön, ruhig, man hat viel Privatsphäre. Genau das zeigen wir auch in der Serie.» Zudem sei eine der Hauptfiguren der Fernsehserie im Bankenwesen tätig.

Die mehrteiligen Fernseh-Liebesgeschichten sind im arabischen Raum ein effizientes Werbemittel, da sie vor allem Frauen ansprechen. Denn Frauen entscheiden meistens, wohin die Reise führt.

Amel Mohamed spielt in der Soap Opera die Widersacherin von Mayssa Maghrebi, ihr folgen auf sozialen Medien wie Instagram und Snapchat hunderttausende Fans. Sie produziert in den Drehpausen fast pausenlos Fotos und kleine Filme, die sie sofort veröffentlicht. Das macht sie so professionell, dass sie im Sommer gemeinsam mit zwei anderen berühmten Freundinnen von Schweiz Tourismus zu einer sogenannten Influencer-Reise eingeladen wird. Die jungen Frauen berichten bildstark vom Rheinfall, von St. Moritz und Zürich und machen so Lust auf die Schweiz.

«In der arabischen Welt ist es so, dass die Medien relativ beeinflusst sind. Persönliche Tipps von Celebrities, Freunden, sind wertvoller als vielleicht anderswo», beobachtet Matthias Albrecht. Und so reist die Gruppe mit drei Berühmtheiten aus dem arabischen Raum durch die Schweiz – immer auf der Suche nach den geeignetsten Orten für das perfekte Foto, den ansprechenden Filmclip.

Die Kontakte sind deshalb so wertvoll, weil Amel und ihre Freundinnen damit ihr Umfeld erreichen

Matthias Albrecht ist sehr zufrieden: Die Serie mit Mayssa Maghrebi und Amel Mohamed wurde auf vier grossen arabischen Fernsehsendern ausgestrahlt, insgesamt 150 Millionen Zuschauer haben sie gesehen.

Auch die Rundreise mit den Berühmtheiten war ein Erfolg: Amel Mohamed produzierte 60 Beiträge für Snapchat, die bis zu 200'000 mal angeschaut wurden. Insgesamt generierten die drei Frauen 2.4 Millionen Kontakte. «Die Kontakte sind deshalb so wertvoll, weil Amel und ihre Freundinnen damit ihr Umfeld erreichen. Dieses kann sich eine Reise in die Schweiz locker leisten», sagt Matthias Albrecht.

«DOK» am Donnerstag

«Verschleiert» – Arabische Touristen in der Schweiz», 28. September 2017, 20.05 Uhr, SRF 1

66 Kommentare

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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    Mir gefällt, wenn Gäste aus fremden Ländern uns besuchen! Ich mag das Fremdartige, die bunten Gewänder, die anderskl. Sprachen. Ein Hauch der weiten Welt, der uns berührt. Mir ist an sich egal, wie Leute sich bekleiden. Nicht egal ist mir, wenn es um Provokation und Propaganda geht für eine radikalisierte Welt. Wenn hier lebende Fanatiker ihre religiösen Vorschr. über unsere staatl. Gesetze stellen. Frauen, die sich mit Niqabs selbst ausgrenzen und sich beklagen über unsere mangelnde Toleranz.
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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    Mir gefällt, wenn Gäste aus fremden Ländern uns besuchen! Ich mag das Fremdartige, die bunten Gewänder, die andersklingenden Sprachen. Ein Hauch der weiten Welt, der uns berührt. Mir ist an sich egal, wie Leute sich bekleiden. Nicht egal ist es mir, wenn es um Provokation und Propaganda geht für eine starre, radikalisierte Welt, welche bei uns damit missionieren. Wenn hier lebende Moslems ihre religiösen Gesetze über unsere staatlichen stellen, sich ausgrenzen mit zur Schau gestellten Niqabs.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Im Film hat man doch einige unverschleierte Frauen gesehen, nur mit Kopftuch. Auch die Werbefrauen zeigen sich modern.Viele stellen die Religion in den Vordergrund und sind konservativ. Gegen das Kopftuch hat sicher niemand etwas dagegenzusetzen. Man sollte doch noch ein Gesicht sehen können von der Person mit der man spricht. Vielleicht sollten die Araber in den Ferien einfach mal über ihren Schatten springen und auf die Verschleierung verzichten. Hier kennt sie ja niemand.
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