Italiens Krisengeneration

  • Mittwoch, 28. Februar 2018, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 28. Februar 2018, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 1. März 2018, 5:10 Uhr, SRF 1
    • Montag, 5. März 2018, 11:20 Uhr, SRF 1
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Man nennt sie «Mammoni», Muttersöhnchen, Nesthocker. Italien hat viele davon. Doch dahinter verbirgt sich ein ernsthaftes Problem. Denn Italien ist und bleibt ein krisenanfälliges Land. Ein Land, das sich scheinbar endlos in der eigenen Politik verliert. In wenigen Tagen wird wieder einmal gewählt.

Ein Film von Denise Jacobs

Vor allem junge Italienerinnen und Italiener sind es leid, sich in ihrem Land abgehängt zu fühlen. Ihr Wunsch ist nicht anmassend: Sie möchten eine gute Arbeitsstelle, eine eigene Wohnung und vielleicht einmal eine Familie gründen. Die Auswanderung hat den Stand der 60er und 70er Jahre erreicht. Je südlicher, umso grösser der Wunsch: weg von hier.

Die Neapolitanerin Serena Caterino sieht in ihrer Heimat keine Chancen mehr. Bereits vor mehr als zwei Jahren hat sie ihr Studium zur Pflegefachfrau abgeschlossen. Seitdem hat sie versucht, in Italien eine Anstellung zu finden. Vergeblich.

Allein in der Region Kampanien sind in den letzten Jahren um die 15'000 Stellen im Gesundheitswesen eingespart worden. Eine Folge der anhaltenden Wirtschaftskrise. Autorin Denise Jacobs ist nach Kampanien gereist und stellt in ihrem Film fest: Italien bildet zwar sehr viel Pflegepersonal aus, kann ihnen jedoch keine Arbeit anbieten.

Die Nachbarländer, die unter einem markanten Fachkräftemangel leiden, nehmen das Personal gerne auf. Eine davon ist die 26-jährige Serena Caterino, die eine Stelle in Deutschland gefunden hat. Sie ist eine von vielen jungen Italienerinnen und Italienern, die diesen Weg wählen. Wählen müssen.

Junge Frauen und Männer bleiben in Italien überdurchschnittlich lange im Elternhaus wohnen. Meist unfreiwillig: Es ist ihnen gar nicht möglich, sich wirtschaftlich auf eigene Beine zu stellen.

Auch Miryam Cuomo (25) wohnt noch zuhause. Doch sie hat sich bewusst für Neapel entschieden: Gemeinsam mit dem Verein «La Paranza» will sie etwas verändern. Deshalb führt sie jetzt Touristen durch Neapels Unterwelt – im Problemviertel Rione Sanità. Statt zum Arbeitsamt, gehen viele junge Menschen in Sanità lieber zur Mafia. Nirgendwo scheint der italienische Staat so abwesend wie hier.

Nun also wird in Italien wieder gewählt. Ein politischer Richtungswechsel wäre dringend nötig um die strukturellen Probleme ernsthaft anzupacken. Doch stattdessen treten die bekannten Akteure des politisch verfilzten Systems wieder zurück auf die politische Bühne. Für Serena käme ein Wandel zu spät. Sie ist schon unterwegs nach Hamburg.

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