Jung und jenisch

  • Mittwoch, 30. April 2014, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 30. April 2014, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Montag, 5. Mai 2014, 11:15 Uhr, SRF 1
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Die Jenischen protestieren seit einer Woche gegen den Mangel an Stand- und Durchgangsplätzen für Fahrende in der Schweiz. Dieser Film geht der Frage nach, wie junge Jenische ihre Kultur in der heutigen Zeit leben und wie sie sich ihre Zukunft vorstellen.

Am Donnerstag wurde das Protestcamp von der Polizei geräumt, damit am Freitag die BEA-Ausstellung ihre Tore öffnen konnte. Ein Teil der Jenischen hat sich mittlerweile auf einen Platz in Pruntrut im Jura verschoben, wo sie bis auf weiteres bleiben dürfen. Aus aktuellem Anlass wiederholt «DOK» den Film «Jung und jenisch», welchen die beiden freien Autorinnen Martina Rieder und Karoline Arn 2010 realisiert haben. Sie begleiteten damals während eines Jahres zwei jenische Pärchen aus dieser Gemeinschaft.

Sie haben einen Schweizer Pass, leisten Militärdienst und sind Bürger von Schweizer Gemeinden: die Schweizer Jenischen. Im 19. Jahrhundert wurden die Fahrenden in der Schweiz gezwungen, sesshaft zu werden - «Kinder der Landstrasse» ist eines der düstersten Kapitel aus dieser Zeit. Lange war deshalb nur noch ein kleiner Teil der Jenischen als Fahrende unterwegs. Doch heute wollen immer mehr junge Jenische die alten Traditionen wieder aufleben lassen. Sie empfinden das Leben ohne festen Wohnsitz als Freiheit und sind überall in der Schweiz unterwegs.

Dieser Film geht der Frage nach, wie junge Jenische ihre Kultur in der heutigen Zeit leben und wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Begleitet werden zwei Pärchen: Miranda, damals 21, und Pascal Gottier, 25, die bereits verheiratet sind, sowie Jeremy Huber, damals 19, und Franziska Kunfermann, 17. Beide Paare reisen bereits in ihren eigenen Wohnwagen durch die Schweiz und machen immer gerade dort halt, wo sie der Weg hinführt.

Ihr Geld verdienen die Männer mit Maler- und Schreinerarbeiten. Sie sind stolz, dass ihre Frauen nicht arbeiten gehen müssen - diese kümmern sich um den Haushalt und den Wohnwagen. Unter sich sprechen die Jenischen ihre eigene Sprache und haben ihre eigene Religion. Sie spielen aber auch Schweizerörgeli, jodeln und braten abends gerne Cervelats. Heute noch werden die Jenischen auf den Durchgangsplätzen angefeindet - sie müssen sich gegen die Vorurteile der Schweizerinnen und Schweizer genauso wehren wie gegen ausländische Fahrende, meist Roma, die ihnen die Plätze auf den Durchgangsplätzen streitig machen.

Und doch möchte keiner der porträtierten Jenischen mit den Sesshaften tauschen. Sie geniessen das Leben im Wohnwagen, wollen immer unterwegs sein - und sie sind stolz, Jenische zu sein.