Kampf ums Kind – Flucht aus Israel

  • Mittwoch, 4. Dezember 2013, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 4. Dezember 2013, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Montag, 9. Dezember 2013, 11:15 Uhr, SRF 1

Im Juni 2005 schmuggelt Isabelle Neulinger aus Lausanne ihren zweijährigen Buben aus Israel hinaus. Die Mutter rechtfertigt die Entführung damit, dass sie den Sohn dem Einfluss ihres ultra-orthodoxen israelischen Ehemannes entziehen wollte. Der Film rollt den Fall nochmals auf.

Shai Shuruk, der Vater des 2005 entführten Noam, lebt heute noch in Tel Aviv. Er war einst einer der begehrtesten Junggesellen in den Bars von Tel Aviv. Dann wurde er über Nacht zum gläubigen Juden, der von seiner Familie eine ultra-orthodoxes Leben verlangte. Unvereinbar mit den Lebensvorstellungen seiner berufstätigen Schweizer Frau.

Vom modernen Lebemann zum religiösen Fanatiker

Isabelle Neulinger hat vor kurzem ein Buch darüber geschrieben, wie ihr Ex-Mann unter dem Einfluss eines charismatischen Rabbiners der jüdischen Gruppierung «Chabad» vom modernen Lebemann zum religiösen Fanatiker wurde. Im Film kommt jetzt erstmals der Vater des entführten Sohnes zu Wort. Wie extrem war der Ehemann wirklich, als sich seine Frau zur Flucht entschloss?

Kindesentführungen nehmen wegen der vielen binationalen Ehen weltweit zu . Die Anträge auf Kindes-Rückführungen an die Schweiz, für die das Bundesamt für Justiz zuständig ist, verdoppelten sich in den letzten zehn Jahren. Oft entladen sich kulturell bedingte Paar-Konflikte im Kampf ums Kind. Die sogenannte «Haager Konvention», der über 80 Länder angehören, bestimmt, dass Kinder umgehend an den Ort zurückgebracht werden müssen, von wo sie entführt wurden. Dies weil die Rückkehr in ein vertrautes Umfeld mehrheitlich zum Wohl des Kindes ist, das geschützt werden muss. Mit Hilfe von Interpol werden die vorwiegend weiblichen Täterinnen gesucht, und oft auch aufgespürt. Doch nicht selten dauern die anschliessenden Gerichtsstreitigkeiten Jahre.

Sohn darf in der Schweiz bleiben

Isabelle Neulinger erreichte 2010 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg ein historisches Urteil. Das Gericht bezeichnete die Entführung des Sohnes zwar als illegal. Es entschied jedoch, dass die Mutter den Sohn bei sich behalten konnte, weil sich der Sohn in der Schweiz eingelebt hatte, und bei einer Rückkehr nach Israel traumatisiert würde.