Kinder im Netz – Gefahren und Chancen der digitalen Welt

  • Donnerstag, 15. März 2018, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 15. März 2018, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 16. März 2018, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 16. März 2018, 11:15 Uhr, SRF 1
    • Montag, 19. März 2018, 15:15 Uhr, SRF 1

Während viele Erwachsene damit immer noch hadern, sind ihre Kinder in der digitalen Welt längst angekommen. Die Game-Industrie boomt, die Kommunikation übers Netz ist allgegenwärtig. Vor eineinhalb Jahren wurde der Öffentlichkeit schmerzlich bewusst, dass diese Entwicklung auch Schattenseiten hat.

Ein Film von Michèle Sauvain

Der 12-jährige Paul aus dem Kanton Solothurn wurde vor eineinhalb Jahren von einem Pädosexuellen, den er im Netz kennengelernt hatte, nach Deutschland entführt und missbraucht. Begegnet waren sich die beiden im harmlosen Computerspiel Minecraft, welches Millionen von Kindern spielen.

Autorin Michèle Sauvain geht in ihrem Film der Frage nach, wie gefährlich Computergames effektiv sind. Sie zeigt, wie Kids heute online kommunizieren, fragt bei bekannten YouTubern und Game-Entwicklern, sowie beim Gamehersteller Microsoft und bei den Strafverfolgungsbehörden nach, wer in dieser unübersichtlichen, virtuellen Welt die Verantwortung für Missbräuche übernehmen soll und kann. Entstanden ist ein vielschichtiger Film über ein neues Phänomen, bei dem nur eines klar ist: die Eltern müssen hinschauen und sich interessieren.

Viele Eltern können mit der Freizeitbeschäftigung ihrer Kinder am Computer nicht viel anfangen, die meisten wissen nicht einmal, welche Games ihre Kinder spielen. Dabei ist das, was in dieser virtuellen Welt passiert in den letzten fünf Jahren zur neuen Jugendkultur geworden. Gute Gamer und YouTuber und YouTuberinnen werden als die neuen Helden gefeiert. Millionen von Kindern und Jugendlichen verehren sie und das über die Landesgrenzen hinweg.

Damian zum Beispiel ist erst zwölf, er gamt fürs Leben gern und ist auch richtig gut darin. Zu Hause zeigt er uns, wie souverän er sich auf Minecraft bewegt. Seinen eigenen YouTube-Kanal füttert er regelmässig mit selbstgeschnittenen Filmchen. Sein Ziel ist, möglichst viele Followers zu gewinnen, Leute die regelmässig auf seinem Kanal nachschauen, was er macht. Seine Vorbilder sind die grossen deutschen YouTuber, wie LPmitKev.

Kev ist mit achtundzwanzig Jahren und 1,4 Millionen Follower einer der grossen Stars und stellt alles auf seinen YouTube-Kanal, was er in seinem Alltag macht. Ihn treffen wir auf der grössten Gamermesse der Welt, der Gamescom. Ob er dort gamt, zu Hause ist, mit seiner Freundin auf Reisen geht – seine Fans können sein ganzes Leben mitverfolgen, und sie machen es täglich. Kev verdient damit gutes Geld, und bringt alles mit, was man braucht um ein YouTube-Star zu werden. Er ist ein positiver Mensch, ein guter Entertainer und Verkäufer seiner selbst.

Soviel hat sich also gegenüber früher gar nicht verändert, das stellt auch Journalist Marc Bodmer fest, der die Gamer- und YouTube-Szene schon seit ihren Anfängen beobachtet. Er ordnet das neue Phänomen ein und kommt wie die Strafverfolgungsbehörden in Sachen Gefährlichkeit der neuen Medien zu einem simplen Fazit: Selbst wenn Pädokriminelle Games und Chats für sich entdeckt haben, um potentielle Opfer zu finden, ist das Einzige was wirklich schützt, unsere Kinder medienkompetent zu machen. Und das beginnt damit, dass wir uns für das, was sie auf ihrem Computer tun, interessieren.

Autorin: Michèle Sauvain
Kamera: Tobias Buchmann
Ton: Silvio Anania
Schnitt: Hedwig Bäbler
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Leitung: Belinda Sallin

Artikel zum Thema