Leben am Gotthard – Ein Jahr an der Passstrasse

  • Mittwoch, 1. Juni 2016, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 1. Juni 2016, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 2. Juni 2016, 5:10 Uhr, SRF 1
    • Samstag, 4. Juni 2016, 9:05 Uhr, SRF 1
    • Montag, 6. Juni 2016, 11:15 Uhr, SRF 1

Von Hospenthal bis Airolo: 23 Kilometer lang ist die Strasse über den Gotthardpass – nicht allzu lang eigentlich und mittlerweile gut ausgebaut. Und doch ist jeweils im Frühling ein schweisstreibender, ja gefährlicher Kampf durch den meterhohen Schnee notwendig.

Ein Film von Beat Bieri

Für Touristen dauert das Gotthardjahr nur gerade ein paar Sommermonate. Doch da sind einige wenige Menschen, denen bedeutet der Berg mit dem berühmten Namen Arbeitsplatz und Heimat.

Werner Gnos etwa, auf ihm lastet jeden Mai ein besonderer Druck: Unten im Tal stauen sich im Nord-Süd-Verkehr die Autos vor dem Tunnel der Autobahn, weshalb oben am Berg der Gotthard-Strassenmeister mit seinen Leuten möglichst schnell den Schnee von der Passstrasse räumen sollte. Doch Gnos lässt sich nicht hetzen, denn es ist eine riskante, harte Arbeit. Immer wieder verschütten Lawinen bereits geräumte Strassenabschnitte.

Und auch im Sommer muss Werner Gnos seiner Arbeit an diesem Berg schwindelfrei und mit sicherem Tritt nachgehen, wenn er senkrecht über dem Passverkehr die Lawinenverbauungen kontrolliert. Oder da ist Mätteli-Hausi, Hans Regli, vor 70 Jahren in einem Haus direkt an der Passstrasse zur Welt gekommen. Kein Sturmwind könnte ihn von hier oben vertreiben. Auch Elena Ramelli zeigt Standfestigkeit am Berg: Von Kindesbeinen an, seit fast 60 Jahren, bietet die Frau aus Airolo auf der Passhöhe ihre Grillwürste und Souvenirs feil. Mit klassischer Musik trotzt sie den bösen Winden und den unvermittelten Wetterwechseln hier oben über der Baumgrenze.

«Für uns ist der Sankt Gotthard nicht nur das Herz der Schweiz, sondern von ganz Europa», sagt ein Besucher der Bundesfeier auf dem Pass. Da schwingt mit, was gemeint ist, wenn vom «Mythos Gotthard» die Rede ist: Der Gotthard ist kein schöner Berg, eigentlich eine alpine Granit-Einöde ohne topografische Extravaganzen, und doch vermutet der eine oder andere die Seele der Schweiz hier an diesem Ort auf 2106 Meter über Meer.

Autor: Beat Bieri
Kamera: Beat Bieri
Schnitt: Jean-Luc Bodmer
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Redaktion: Belinda Sallin
Leitung: Marius Born

Zum Dokfilm «Unten durch – Die Sedruner und der Gotthardtunnel» von Gieri Venzin

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