Leben für den Himmel

  • Mittwoch, 9. Oktober 2013, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 9. Oktober 2013, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Montag, 14. Oktober 2013, 11:15 Uhr, SRF 1
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Im kanadischen Maple Grove lebt eine Glaubensgemeinschaft der Hutterer - völlig abgeschieden vom Rest der Welt. Normalerweise geben sie niemandem Einblick in ihr Leben. Doch ein BBC-Team durfte an ihrem Alltag und ihrem Glauben teilhaben.

Die Hutterer sind Selbstversorger. Sie betreiben kleine Fabrikationsstätten sowie Ackerbau und Viehzucht und verkaufen ihre Produkte teilweise an Grossverteiler in der Stadt. Die tiefgläubigen Menschen bleiben aber am liebsten unter sich. Fernsehen ist nicht erlaubt. Auch Kosmetik- und Garderobenspiegel sind tabu. Die Männer tragen schwarze Anzüge mit weissem Hemd, die Frauen Kopftücher und lange Röcke. Mahlzeiten werden in Gemeinschaftsräumen eingenommen. Dabei essen Kinder und Erwachsene in getrennten Räumen, Frauen und Männer sowie Mädchen und Knaben an gesonderten Tischen.

Hutterer sind Kommunisten im christlichen Sinne

Die Hutterer haben eine tragische Geschichte. Als ihr Gründer Jakob Hutter 1536 wegen seines Glaubens in Innsbruck hingerichtet wurde, machten sich seine Anhänger auf eine Odyssee, die sie in viele Teile der Welt versprengte. Zunächst verteilten sie sich in Europa. Vor etwa 160 Jahren liessen sie sich dann in Kanada nieder.

Sie sind Kommunisten im christlichen Sinne und teilen nach dem Motto der Nächstenliebe alles miteinander. Doch in der Gemeinschaft herrschen strikte Regeln. Dazu gehört auch die traditionelle Rollenverteilung. Die Männer gehen arbeiten, die Frauen sind für Küche, Kinder und Haushalt zuständig und haben in der Organisation des Alltags nichts zu sagen.

Wer geht, lässt alle zurück

Jedes Jahr verlassen ein oder zwei junge Hutterer die Gemeinschaft – meist heimlich. Wer geht, lässt alle zurück, die er liebt und die ihn lieben. «In der Welt draussen» kommen Hutterer oft nicht klar. Sie sind es gewohnt, dass für sie gesorgt wird. Oft kehren die Ausreisser deshalb nach wenigen Monaten reumütig zurück. Nach einem Rehabilitationsprozess werden sie wieder aufgenommen, sofern sie bereit sind, sich wieder voll zu integrieren.

Wer das Leben in der Welt vorzieht, hat es schwer, den Kontakt mit seinen Verwandten in der Gemeinschaft aufrechtzuhalten. Für jeden Besuch muss er um Erlaubnis bitten. Entsprechend wenige schaffen es denn auch, sich fern von Gemeinschaft und Familie eine eigenständige Existenz aufzubauen.