Mekka Business – Pilgern zwischen Glauben und Geld

  • Mittwoch, 23. September 2015, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 23. September 2015, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 24. September 2015, 5:15 Uhr, SRF 1
    • Montag, 28. September 2015, 11:25 Uhr, SRF 1
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Ende September findet der alljährliche Haddsch nach Saudi Arabien statt, die Pilgerreise, die zu den fünf Pflichten jedes gläubigen Moslems gehört, der sich das leisten kann.

Ein Film von Faris Rahoma

Was machen die Millionen friedfertigen Gläubigen in Mekka und Medina, und worum geht es den Saudis, die diese gigantischen Pilgerströme aus aller Herren Länder logistisch managen?

Um das herauszufinden, begeben sich zwei «steirogyptische», in Wien lebende Brüder mit ihrem ägyptischen Vater auf die sogenannte Umrah, die kleine Pilgerfahrt. Im Gepäck: Mühselig zusammengetragene Drehgenehmigungen, ein Berg schweres Kamera-Equipment und viele Fragen. Warum darf man unter dem Pilgergewand keine Unterhose tragen? Wieso sollen ein neu erbauter Hotelkomplex oder das Geburtshaus des Propheten Muhammads abgerissen werden? Wieviele Milliarden Dollar werden investiert, um die Pilgerzahl von 2,5 Millionen auf zehn Millionen zu steigern? Wer verdient daran?

Fakt ist, dass der Islam mit 1,6 Milliarden Musliminnen und Muslimen die schnellst wachsende Religion ist und immer mehr Gläubige danach streben, zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina zu pilgern. Die saudi-arabische Regierung will dies ermöglichen und hat allein in Mekka bis heute mehr als 60 Milliarden Dollar in Erweiterungsmassnahmen investiert, um dem Ansturm gerecht zu werden. In der Vergangenheit kam es bei Massenpaniken und Bränden während des Haddsch immer wieder zu hunderten Todesfällen und Verletzten. Das Sicherheitsproblem brachte das saudische Königshaus unter Zugzwang. Trotz der Umbauarbeiten strömen bis zu 2,5 Millionen Pilger aus der ganzen Welt an nur zwei bestimmten Wochen im Jahr zum Haddsch-Ritual. Dafür hat jedes Land nur begrenzte Kontingente zur Verfügung. Im Jahr 2014 waren es nur 1'450 Muslime aus Österreich, die ein Visum für die grosse Pilgerfahrt erhielten.

Um bis zu zehn Millionen Pilger aufnehmen zu können, wurde vom Königshaus eine Baufirma mit prominentem Namen beauftragt: Die Saudi Bin Laden Group ist für fast alle Erweiterungsmassnahmen in Mekka und Medina verantwortlich. Sie ist Eigentümerin des «Mekka Royal Clock Tower», dem dritthöchsten Wolkenkratzer der Welt. Kostenpunkt für das Prestigeprojekt: Zwölf Milliarden Euro – hundert Meter von der wichtigsten Moschee des Islam entfernt, in der die Kaaba, das geographische Zentrum des Islam steht. Der schwarze Kubus ist der heiligste Ort des Islam und gibt die Gebetsrichtung für alle Muslime auf der Welt vor. Während des Haddsch wird die Kaaba von 40'000 Pilgern pro Stunde umrundet – 130'000 sollen es werden. 2020 sollen zwei Million Menschen in der Al Haram Moschee gleichzeitig beten können – Kostenpunkt 17 Milliarden Euro. Dafür mutmassen Experten wurden 95 Prozent der historischen Altbauten um die Moschee abgerissen, um den Pilgeransturm zu bewältigen. Schätzungen zufolge setzt Mekka mit der Wallfahrt im Jahr bis zu fünf Milliarden Euro um – doch wer profitiert davon?

In einem erfrischenden Roadmovie geht Faris Rahoma den wichtigsten Fragen nach, die sich den österreichischen Greenhorns auf ihrer Pilgerreise zwischen Beten und Business stellen.

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