Mit Bärenwaisen durchs Tigerland – Reno Sommerhalder in Sibirien

Seit 25 Jahren lebt der schweizerisch-kanadische Bärenforscher Reno Sommerhalder unter den grossen Pelztieren. 2013 macht er sich in der ussurischen Wildnis, im äussersten Osten Sibiriens, an ein besonders ambitiöses Projekt.

Ein Film von Beat Bieri

Er bringt zusammen mit dem russischen Biologen Sergey Kolchin junge Bärenwaisen durch ihren ersten Sommer. Zwei Männer als Ersatz-Bärenmütter. Dabei müssen die Jungbären nicht nur vor hungrigen Bärenmännchen geschützt werden, sondern auch vor Amurtigern, den unangefochtenen Herrschern in der ussurischen Taiga.

Die leiblichen Mütter der Bärenjungen sind von Jägern getötet worden. Ohne die Hilfe von Sommerhalder und Kolchin hätten die Waisen keine Überlebenschancen. Doch Menschen als Ersatz-Bärenmütter? Die beiden Bärenforscher wissen um die Problematik solcher Bemühungen, denn Jungbären können sich durch die Betreuung leicht an Menschen gewöhnen und so zu aufdringlichen Problembären oder zur leichten Jagdbeute werden. Im «DOK»-Film von Beat Bieri schildert Reno Sommerhalder, welche Auswilderungsmethode Kolchin und er entwickelt haben, um solchen Schwierigkeiten vorzubeugen. Doch wird das ausreichen, um den jungen Bären ein Überleben zu sichern? Denn in den sibirischen Wäldern ist die Jagd auf Bären üblich.

Bedroht werden die Jungbären überdies von Tigern. Im äussersten Osten Russlands leben die letzten Amurtiger, die grössten Raubkatzen der Welt. Um das Lager fanden die Bärenforscher Spuren von gleich mehreren Tigern. Die Raubkatzen sind indes selbst stark gefährdet und von der Ausrottung bedroht. Im nahen China wird viel bezahlt für Tigerteile, denen in der traditionellen Medizin eine heilende Wirkung zugeschrieben wird.

Für Reno Sommerhalder werden in den weiten, feuchten Wäldern allerdings nicht Bären oder Tiger gefährlich, sondern vor allem Insekten. Zecken etwa oder dichte Stechmückenschwärme machen die Arbeit der Bärenschützer zeitweise fast unerträglich.

Sommerhalder und Kolchin kümmern sich 2013 um insgesamt elf Bärenwaisen: um Ussurische Braunbären und um Asiatische Schwarzbären. Mit vier jungen Schwarzbären sind die beiden Männer bis Ende Herbst unterwegs, bevor sich die Tiere zur Winterruhe zurückziehen. Überleben sie den Winter? Spuren zeigen, dass ein Tiger das Lager der Bären entdeckt hat.

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