Zum Inhalt springen
Inhalt

DOK Religion als Symbol für Identität

Der «DOK»-Film «Verführt im Namen Allahs – Europas junge Salafisten» zeigt, wie Prediger mit einer ultrakonservativen Auslegung des Korans junge Menschen gewinnen. Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker erklärt, wie kompliziert jedoch eine Interpretation des Korans ist.

Der Marsmensch

SRF DOK: Warum fasziniert junge Menschen, die eigentlich in einer säkularisierten Welt aufgewachsen sind, die radikale Auslegung des Korans?

Rüdiger Lohlker: Religion wird immer mehr zu einem Set an Symbolen, mit dem Identität markiert wird. Ein vereinfacht und ein einseitig gewaltorientiert gefasstes Koranverständnis ist ein sehr starkes Symbol.

Sie sagen, dass der Koran von Nuancen lebt, und dass diese feinen Unterschiede den jeweiligen Suren eine ganz andere, friedlichere Bedeutung geben. Werden diese Nuancen von den Predigern gelehrt?

Es gibt eine starke Minderheit von Predigern in Europa, die so etwas nicht können in Ermangelung einer entsprechenden Ausbildung oder dies auch nicht wollen.

Wo wird eine nuancenreiche Auslegung des Korans gelehrt?

In Europa entwickelt sich solch eine Auslegung an den neuen islamisch-theologischen Instituten, zum Beispiel in Deutschland. International höchstens an einzelnen Instituten, auf breiterer Basis vielleicht in Indonesien.

Der indonesische Islam, beziehungsweise die grossen indonesischen Organisationen, fahren seit Jahren eine entschiedene Anti-Radikalisierungspolitik und stehen für die Erhaltung eines toleranten, pluralistischen Islams in einer mystischen Tradition ein. Sicherlich ist nicht alles ideal – wo ist es das schon? Aber es ist die weltweit engagierteste Initiative von muslimischer Seite. Und dies bedingt eben auch ein Koranverständnis im genannten Sinne.

Wo sehen Sie die grössten Missverständnisse zwischen der westlichen, säkularisierten Welt und dem Islam?

Erstens, dass Säkularität automatisch schlecht für Religion ist. Und dass Religion wiederum automatisch schlecht für Säkularität sein muss. Ein weiteres Problem ist, dass zu viel nach Identität gesucht wird und nicht nach Gemeinsamkeit.

Zur Person

Zur Person

Rüdiger Lohlker studierte Rechtswissenschaft, Arabistik, Islamwissenschaft, Neuiranistik, Publizistik, Kommunikations- und Politikwissenschaft. Seit 2003 ist er Professor für Orientalistik an der Universität Wien.

Indonesien

Mit über 191 Millionen Muslimen ist Indonesien der Staat mit der grössten muslimischen Bevölkerung weltweit. Die grössten zwei islamischen Organisationen sind dort «Nahdatul Ulama» mit etwa 50 Millionen Mitgliedern und die «Muhammadiya» mit rund 30 Millionen.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Karl Traber, Zürich
    Mir blutet das Herz wenn junge Menschen es nicht schaffen, die Ungewissheit der Zukunft zu ertragen. Wir brauchen starke Persönlichkeiten, die Wege zeigen, die Identitäten repräsentieren, die Muttersprachen als wertvoll zeigen, die Kraft und stolz auf Heimat, Sprache und Kultur des Heimatlandes ausstrahlen. Seid stark!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von P.Meier, Zürich
    Der Koran enthält sehr viele Aufrufe zur Gewalt gegen "Ungläubige". Das steht dor so geschrieben und man braucht das auch nicht zu relativieren oder schön zu reden. Viele Politiker und Journalisten propagieren ein romatisches und verklärtes Islam Bild, das aber mit der Realität nichts zu tun hat. Eine Religion, die auf Hass gegen "Ungläubige" basiert, wird immer der Auslöser für Hass und Gewalt sein, egal wie sehr man versucht alles schön zu reden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ich Wars, Solothurn
    Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern und Schwestern - in keiner Not uns trennen noch Gefahr. Wir wollen denken wie freie Menschen und nicht im Korsett einer Religion geschnürt sind. Wir wollen uns gegenseitig respektieren und einander nicht Ideen aufzwängen..... Wäre mal zeit für einen neuen RüTTLIschWuur
    Ablehnen den Kommentar ablehnen