Schreie im Dunkeln - Bahrains vergessene Revolution

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Vor zwei Jahren erfasste der Arabische Frühling auch Bahrain. Seither kommt der kleine Golfstaat nicht mehr zu Ruhe. Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera dokumentierte als einziger Zeuge, was im 2011 dort geschah: den hoffnungsvollen Aufbruch der Bevölkerung, der in einer Tragödie endete.

Der Beginn einer Revolution

Während die Aufmerksamkeit der Welt auf Kairo und Tunis gerichtet war, beobachteten Reporter von Al Jazeera am 16. Februar 2011 eine verborgene Revolution: keine Lichter, keine Fernsehcrews, nur Menschen, die im Dunkeln schrien. Zehntausende waren auf den Perlenplatz im Herzen der Hauptstadt Manama geströmt und forderten demokratische Rechte. Aber um drei Uhr in der Frühe kreuzte die Polizei auf dem Perlenplatz auf und vertrieb die Demonstranten mit Knüppeln und Schüssen.

Bahrains Armee blockierte die Hauptstadt, besetzte den Perlenplatz und verhängte ein Versammlungsverbot. Tausende kamen ans Begräbnis der vier Demonstranten, die getötet worden waren, und der Trauerzug verwandelte sich in einen Protestmarsch Richtung Perlenplatz. Erneut wurden friedliche Demonstranten beschossen, diesmal von der Armee. Viele Verletzte wurden ins Salmanyia-Spital eingeliefert und dort ärztlich versorgt. Dann gingen sie auf den Perlenplatz zurück und bauten eine Zeltstadt auf. Sie verkündeten der Welt, sie würden bleiben, bis ihnen Freiheit und Demokratie gewährt werde.

Die Proteste weiten sich aus

Die Reporter von Al Jazeera beobachteten, was im Spital passierte und wie die Regierung die dort arbeitenden Ärzte systematisch der Verschwörung gegen die Regierung bezichtigte, weil sie Demonstranten medizinisch betreuten. Die Proteste weiteten sich auf das ganze Land aus. Die Opposition verlangte eine neue Verfassung und ein neues Parlament. Und Kronprinz Salman Bin Hamad suchte den Dialog. Er wollte eine neue Beziehung zwischen der Bevölkerung und der Königsfamilie schaffen. Aber hinter den Kulissen brodelte es. Die Hardliner in der Regierung waren unmutig über die Eingeständnisse, die der Kronprinz machen wollte.

Nach wochenlangen Protesten entsandte Saudi-Arabien am 14. März 2011 1000 Soldaten nach Bahrain. Um eine Revolution vor der eigenen Haustüre zu verhindern, mobilisierte es die bewaffneten Kräfte des Golf-Kooperationsrats. Bahrain seinerseits verhängte das Notrecht zur Wahrung der nationalen Sicherheit.

Die Hoffnungen einer Revolution werden zunichte gemacht

Am 16. März 2011 rückten Polizei und Armee, unterstützt von Soldaten aus Saudi-Arabien, auf den Perlenplatz vor und zerschlugen die Hoffnungen der Bahrainer. Es war ein entscheidender Moment im Arabischen Frühling, der Beginn einer Gegenrevolution. Das Regime zerstörte das Denkmal auf dem Perlenplatz, begann die Bevölkerung systematisch einzuschüchtern und rief via Facebook dazu auf, Verräter zu denunzieren. Die meisten führenden Oppositionspolitiker und mehr als tausend Demonstranten wurden verhaftet. Der Westen blieb dabei untätig.

Doch aller Unterdrückung zum Trotz haben die Proteste nicht aufgehört. Jede Nacht steigen die Bahrainer auf ihre Dächer und rufen Gott und ihre Nachbarn an. Die Kameras der Welt haben sich abgewendet, und ihre Revolution ist wieder wie am Anfang ein Schrei im Dunkel der Nacht. Ein Demonstrant bringt es auf den Punkt: «Auf dem Perlenplatz haben wir die Seele der Freiheit berührt. Für uns gibt es kein Zurück mehr.»