Uiguren in Guantanamo – Verschleppt und verraten

  • Mittwoch, 16. März 2016, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 16. März 2016, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 17. März 2016, 5:10 Uhr, SRF 1
    • Montag, 21. März 2016, 11:15 Uhr, SRF 1
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«Guantanamo wird spätestens in einem Jahr geschlossen»: Diese Worte sprach Barack Obama im Jahr 2009, kurz nachdem er sein Amt als Präsident der USA angetreten hatte. Nun bringen sich bereits seine Nachfolger in Position – und das US-Gefangenenlager ist noch immer nicht geschlossen.

Ein Film von Patricio Henríquez

Obama unternimmt derzeit nochmals einen Versuch, seinen letzten wohl. In diesem Dokumentarfilm erzählen drei ehemalige uigurische Guantanamo-Häftlinge von ihrer unglaublichen Odyssee und ihrer Leidensgeschichte.

Sie heissen Ahmet Abdulahad, Khalil Mamut und Abu Bakker Qassim – und sie sassen jahrelang in Guantanamo in Haft. Sie sind Uiguren, ihr Volk wird von der chinesischen Regierung unterdrückt: Sie werden zur Flucht gezwungen, womit ihre Odyssee beginnt.

Die drei Männer finden unabhängig voneinander in Afghanistan Zuflucht. Dann kommt der 11. September 2001. Die uigurischen Männer sind mit einem Schlag verdächtig: Sie werden in Afghanistan als Terroristen an die Amerikaner verkauft – und ins US-Gefangenenlager in Guantanamo verschleppt. Von nun an gelten sie als Feinde Amerikas, obschon sie sich nichts zu Schulden kommen liessen.

Auf der amerikanischen Militärbasis in Kuba herrscht das Gesetz der Willkür. Die drei uigurischen Flüchtlinge sind völlig ausgeliefert, sie werden jahrelang ohne Anklage und ohne Anwalt eingesperrt.

Nicht genug: Die Männer werden zum Spielball der Politik. Die USA sind auf China angewiesen, um die Zustimmung des UNO-Sicherheitsrats für die Irak-Invasion zu erhalten. Die Bush-Regierung hofft auf einen Deal: Sie erlaubt deshalb der chinesischen Geheimpolizei, die Uiguren in Guantanamo zu verhören – und zu foltern.

Ahmet Abdulahad, Khalil Mamut und Abu Bakker Qassim werden nach jahrelanger Haft schliesslich freigesprochen. Doch Amerika weigert sich, sie aufzunehmen. Mit diplomatischer Unterstützung finden die USA schliesslich Länder, die bereit sind, die Uiguren aufzunehmen. Die drei kommen auf die Bermuda-Inseln, nach Palau in der Südsee und nach Albanien – auch die Schweiz nimmt später zwei uigurische Guantanamo-Häftlinge auf. Doch ihr Leben ist zerstört – und das Wort «Terrorist» für immer auf ihrer Stirn eingebrannt.

Der Filmemacher Patricio Henríquez hat die Verschleppung der drei Männer akribisch nachgezeichnet. Mit wachsender Beklemmung folgt man den Stationen ihrer Gefangenschaft.

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