Ukraine trotz allem

  • Donnerstag, 17. März 2016, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 17. März 2016, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 18. März 2016, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 18. März 2016, 11:15 Uhr, SRF 1

Der Schweizer Kaffeeunternehmer Peter Wermuth, die Kinderärztin Swetlana Bespalowa und der Erfolgsautor Andrej Kurkow leben in der Ukraine. «DOK» ergründet ihre Hoffnungen und Zweifel und fragt nach den Hintergründen der aktuellen Krise.

Ein Film von Helen Stehli Pfister

Dokfilmautorin Helen Stehli Pfister lernte die Kinderärztin Swetlana 1992 während einer Reportage kennen. Damals, zu Beginn ihrer Unabhängigkeit, war die Ukraine ein weisser Fleck auf der Landkarte. Kaum jemand wusste, wo sie liegt. Seither machte der junge Staat immer wieder Schlagzeilen. Nach den Massendemonstrationen auf dem Majdan in Kiew und der russischen Annexion der Krim brach im Frühling 2014 der Krieg im Donbass aus. Der Film fragt: Wie lebt Swetlana, wie leben die Menschen heute in der Ukraine in Zeiten der Krise? Und wie wurzelt die aktuelle Krise in der Vergangenheit? Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksal mit der Ukraine verwoben ist.

Im Würgegriff der Behörden

Peter Wermuth lebt seit über 20 Jahren in der Ukraine. Der Berner Bauernbub und gelernte Mechaniker hat ein Kaffee-Imperium aufgebaut, das heute 2500 Angestellte beschäftigt. Immer wieder war der «Kaffeekönig», wie ihn seine Freunde manchmal nennen, im Würgegriff der Behörden. Er hat aber gelernt sich durchzusetzen. Entsprechend pointiert ist seine Meinung zu Chefbeamten, Regierungsvertretern, und der allgegenwärtigen Korruption. Über deren Ausmass ist er aber doch entsetzt, als er sich beim erstmaligen Besuch der Villa des Ex-Präsidenten Janukowitsch mit dessen Prunksucht konfrontiert sieht. Ob die neue Regierung von Präsident Poroschenko echte Reformen durchsetzen wird, daran zweifelt der Schweizer Unternehmer. Nicht aber daran, dass er trotz allem sein Geschäft in der Ukraine weiterführen will. Die ukrainischen Herausforderungen sind sein Lebenselixier, wie auch sein geliebter Cappuccino.

Besuch in der verstrahlten Sperrzone

Der ukrainische Erfolgsautor Andrej Kurkow hat seine Erlebnisse und Beobachtungen während des Euromajdans in Kiew in seinem «Ukrainischen Tagebuch» publiziert. Im Film erläutert er, was die Ukrainerinnen und Ukrainer geprägt hat, was sie bewegt und weshalb er in dieser Zeit voller Konflikte nicht in der Lage ist, Romane oder Erzählungen zu schreiben.

Die Kinderärztin Swetlana Bespalowa wurde 1986 nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl mit Mann und Kind aus der neben dem Reaktor gelegenen Stadt Pripjat’ evakuiert. Die Kinderärztin leitete in einer Kiewer Klinik die Abteilung für die Kinder von Tschernobyl und ist dort heute für deren Kinder und Enkel zuständig. Erstmals seit 30 Jahren besuchte Swetlana mit dem «DOK»-Team wieder ihre alte Wohnung in der Stadt Pripjat’ in der verstrahlten Sperrzone, wo sie einst jung und glücklich war. Trotz der Atomkatastrophe und der aktuellen Krise hat Swetlana ihren Optimismus und Glauben an die Zukunft der Ukraine nicht verloren.

Der Dokumentarfilm gewährt einen Einblick voller Überraschungen in das so schöne, zerrissene Grenzland zwischen Ost und West.

Autorin: Helen Stehli Pfister
Kamera: Laurent Stoop
Schnitt: Dave Leins
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Redaktion: Belinda Sallin
Leitung: Marius Born

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