Unten durch – Die Sedruner und der Gotthardtunnel

  • Donnerstag, 2. Juni 2016, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 2. Juni 2016, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 3. Mai 2016, 2:00 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 3. Juni 2016, 10:30 Uhr, SRF 1

Seit 20 Jahren beobachtet Gieri Venzin das Geschehen rund um den Bau des längsten Eisenbahntunnels der Welt. Entlang von Höhepunkten und Tiefschlägen, von Hoffnungen und Enttäuschungen erzählt der aus Sedrun stammende «DOK»-Autor die ganze Geschichte des Jahrhundertprojekts Gotthard-Basistunnel.

Ein Film von Gieri Venzin

Als im Jahre 1996 die NEAT nach Sedrun kam, herrschte Freude im Dorf. Die Leute des etwas in die Jahre gekommenen, aber selbstbewussten Touristenortes sagten sich: «Kommt das Loch, kommen Arbeit und Wohlstand ins Tal». Und einige fügten hinzu: «Wie in den 1950er Jahren, als die Staumauern kamen und es aufwärts ging wie von selbst». Mit «Loch» meinten die Sedruner den 800 Meter tiefen Vertikalschacht, der gebaut werden musste, um die geologisch schwierige Zone unter ihrem Dorf zu bewältigen. Dieser Schacht machte die Baustelle von Sedrun zur spektakulärsten der ganzen NEAT und er beflügelte von Anfang an die Phantasie, nicht nur der Sedruner.

Heute, kurz vor der Eröffnung des neuen Tunnels, herrscht Sorge im Dorf. Es wird keine Porta Alpina geben. Auch keine Galleria Alpina. Der Bau bescherte Sedrun wohl über Jahre willkommene Einnahmen, jedoch kaum bleibende Werte. Arbeit gibt es immer weniger. Die Geburtenrate ist eingebrochen. Vor vier Jahren verkauften die Sedruner ihre Bergbahnen (manche meinen ihre Seelen) an Samih Sawiris und legten damit ihr Schicksal in die Hände des ägyptischen Investors.

Während Jahrzehnten begleitete «DOK»-Autor Gieri Venzin mit einem Kamerateam Mineure und Ingenieure im Berg, aber auch Einheimische: Alfred Monn etwa, der Garagist, der für die Tunnelbauer ein Bordell baute und damit alles verlor. Arthur Loretz, der Architekt der Visiun Porta Alpina. Oder Samih Sawiris, der neue Hoffnungsträger der ganzen Gotthardregion.

«DOK» zeigt zur feierlichen Eröffnung des längsten Eisenbahntunnels der Welt einen Film mit Zwischentönen – ein eindrückliches Zeitzeugnis.

Autor: Gieri Venzin
Kamera: Daniel Leippert
Ton: Olivier JeanRichard
Schnitt: Manfred Zazzi
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Redaktion: Belinda Sallin
Leitung: Marius Born

Zum Dokfilm «Leben am Gotthard – Ein Jahr an der Passtrasse» von Beat Bieri

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