Verschleiert – Arabische Touristen in der Schweiz

  • Donnerstag, 28. September 2017, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 28. September 2017, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 29. September 2017, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 29. September 2017, 11:15 Uhr, SRF 1

Die Schweiz ist ein Ferienparadies für arabische Touristen. Schweiz Tourismus lädt Berühmtheiten aus den Golfstaaten als Werbebotschafter ein. Zugleich wird bald über ein Verhüllungsverbot abgestimmt, das vor allem Touristinnen betreffen würde. Was halten die verschleierten Frauen davon?

Ein Film von Marianne Kägi

Kaum ist der Fastenmonat Ramadan vorbei, machen sie sich auf die Reise: Familien aus Bahrain, den Emiraten, dem Oman, Saudiarabien. Viele Frauen tragen einen Niqab: Sie sind mit einem Gesichtsschleier verhüllt und zeigen nur ihre Augen. Arabische Touristen lieben die Schweiz, weil sie sich hier vom viel zu heissen Sommer daheim erholen können.

Die arabischen Gäste sorgten letztes Jahr für fast eine Million Übernachtungen. 430 Franken pro Tag geben sie in der Schweiz aus, mehr als Touristen aus anderen Ländern. Zudem bleiben sie pro Besuch fast drei Tage, das ist überdurchschnittlich lang. Damit diese Gäste noch zahlreicher kommen, wirbt Schweiz Tourismus mit Filmstars und anderen Berühmtheiten, welche unser Land ins schönste Licht rücken sollen. Diese Art Werbung funktioniert laut dem Marketingexperten Matthias Albrecht besonders gut, denn sie spricht Frauen an und es sind oft die Frauen, die entscheiden, wohin die Familie in die Ferien fährt.

Albrecht erinnert sich an die Produktion einer Soap Opera, die eine arabische Produktionsfirma vor 2 Jahren in Luzern filmte. Während dem Ramadan wurde jeden Tag eine Episode ausgestrahlt. Im Monat nach Ramadan habe die Region Luzern mehr als doppelt so viele Besucher aus den Golfstaaten empfangen. Es habe sogar unmittelbar nach der Sendung direkte Anfragen an die Hotels, die in den Episoden vorkamen, gegeben.

Im Februar wurde in Interlaken und Thun eine neue Soap Opera gedreht, mit Stars aus dem arabischen Raum. «In unserer Produktion zeigen wir die Schweiz wie sie ist: schön, ruhig, diskret und das Wetter ist wunderbar», sagt Mayssa Maghrebi, Besitzerin einer Filmproduktionsfirma. «Zudem ist einer der HauptdarstellerBanker. » Auch diese Soap Opera wurde ein Erfolg: 150 Millionen Zuschauer.

Gleichzeitig wollen Schweizer Politiker ein Verhüllungsverbot in die Verfassung schreiben und sammeln dafür Unterschriften. Dieses Verbot würde vor allem arabische Touristinnen betreffen. Im Tessin gibt es bereits ein «Burkaverbot». Bisher wurden laut Ticino Turismo erst fünf Frauen deswegen gebüsst. In Österreich – einer weiteren beliebten Reisedestination arabischer Touristen – tritt ein Verhüllungsverbot ab Oktober in Kraft.

Filmautorin Marianne Kägi hat arabische Superstars begleitet, und sie war mit Familien unterwegs beim Bootfahren, Gleitschirmspringen, Klettern, Spazieren und es gelang ihr, mit Frauen hinter dem Schleier zu sprechen. Zum Beispiel mit Khoudour Al Harbi, einer jungen Mutter aus Saudiarabien, die mit ihrem Mann und den zwei Kindern unterwegs ist. Sie verdeckt Nase und Mund mit einem dunklen Gesichtsschleier, dem Niqab.

«Warum wollt ihr Schweizer unsere Bekleidung verbieten? », fragt sie. «Wir dürfen bereits nicht mehr nach Lugano reisen, weil wir unser Schleier dort verboten ist. Es wäre so schade, wenn wir nicht mehr zu euch in die Ferien kommen dürften. »

Autorin: Marianne Kägi
Kamera: Sergio Cassini, Matthias Gruic, Adrian Baumann
Ton: Marcel Linder, Ruedi Guyer
Schnitt: Jeanne Rüfenacht
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Leitung: Belinda Sallin

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