Von Schlossherren, Spioninnen und Grosswildjägern

Königliche Hochzeiten und adlige Skandale kennen die Schweizer nicht aus dem eigenen Land. Doch auch bei uns gibt es ehemalige Patrizierfamilien mit jahrhundertealtem Stammbaum. Kathrin Winzenried ist eingetaucht in die höchst abenteuerlichen Schlossgeschichten der Berner Familie von Wattenwyl.

Ein Film von Nathalie Rufer

Hier hat die Demokratie der Aristokratie längst den Rang abgelaufen, der Hochadel ist seit dem Mittelalter ausgestorben. Geblieben hingegen sind ehemalige Patrizierfamilien. Eine davon ist die Berner Familie von Wattenwyl. Ihr Stammbaum lässt sich bis 1356 lückenlos zurückverfolgen – und schon vorher haben sie Spuren hinterlassen. Mitte des 15. Jahrhunderts hing der Fortbestand der Familie an einem seidenen Faden. Nach zehn kinderlosen Ehejahren des einzigen verbleibenden Namensträgers dann die Erlösung: die Geburt von Jacob von Wattenwyl, Postumus genannt, weil er nach dem Tode des eigenen Vaters zur Welt kam. Dieser Jacob war es dann, der die Familiengeschichte richtig in Schwung brachte: drei Söhne sicherten die Erbfolge. Anschliessend erwiesen sich die von Wattenwyls als sehr fruchtbar. Dank der Verbreiterung des Stammbaums, erfolgreichem Handel und geschickter Heiratspolitik stiegen sie zu einem der einflussreichsten Geschlechter auf und brachten verschiedenste bedeutende Persönlichkeiten hervor.

Kathrin Winzenried hat sich für DOK auf Spurensuche gemacht und einen tiefen Einblick in die Familiengeschichte der von Wattenwyls erhalten. Sie zeichnet zum Beispiel den Lebenslauf der Catherine von Wattenwyl nach, die im 17. Jahrhundert beinahe als Spionin hingerichtet worden wäre oder erzählt die aufregende Geschichte von Vivienne von Wattenwyl, die um 1920 mit ihrem Vater in Kenia auf Jagd ging. Auch heute noch sind die von Wattenwyls zahlreich und traditionsbewusst: das erlebte Kathrin Winzenried hautnah anlässlich der «Familienkiste», der jährlichen Herrenversammlung im Berner von Wattenwyl-Haus.

Wiederholung vom 19.4.2012