Wauwilermoos: Strafgefangenenlager im Luzerner Mittelland

Im Frühjahr 2014 erhielten 143 Veteranen vom US-Kongress im Pentagon den Orden der Kriegsgefangenen. Diese Männer waren während des Zweiten Weltkriegs im Strafgefangenenlager Wauwilermoos in Luzern interniert. Unter schlimmsten Bedingungen und unter der Führung des Nazisympathisanten André Béguin.

Die Luftfahrt begeistert mich, seit ich ein Bub war. Von klein auf las ich historische Romane und schaute mehrmals die Filme meines Vaters über die Luftschlacht um England, Pearl Harbor oder über die Bombenangriffe der berühmten «Mighty Eight», der 8. US-Luftflotte im Ruhrgebiet.

Die schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs haben mich immer wieder beschäftigt. Doch die internierten Flieger in Wauwilermoos waren mir bis anhin völlig entgangen. Auch der breiten Öffentlichkeit und selbst Experten war diese Geschichte nicht bekannt. In Berichten taucht Wauwilermoos nicht auf, die Politik hat sich kaum darum gekümmert und auch die Filme über jene Zeit erwähnen das Internierungslager nicht. Es war vielleicht nur ein Detail in der unglaublichen Auswahl an erzählten, geschriebenen und gefilmten Geschichten über die dramatische Zeit zwischen 1939 und 1945.

Major Dwight Mears

Bildlegende: US-Army Historiker Major Dwight Mears Daniel Wyss

US-Militärhistoriker erinnert an die Geschichte der Gefangenen

Als ich bei einer Filmproduktion vom Lager in Wauwilermoos erfuhr, kontaktierte ich Major Dwight Mears. Der Militärhistoriker recherchierte die Geschichte eines ehemals Internierten in Wauwilermoos. Während 12 Jahren widmete Major Dwight sich der Aufgabe, die Relikte der Vergangenheit zurückzuholen. Er fotografierte dafür etwa 30’000 Dokumente aus Archiven in Bern, Berlin und Washington D.C. Ich war überrascht, dass ein US-Militär sich so intensiv für die Geschichte meines Landes interessierte.

Acht Überlebende wurden in den USA geehrt

Als ich bei der Ehrung der Kriegsveteranen im April 2014 in Washington D.C. filmte, lernte ich acht Überlebende dieses Lagers kennen. Das Zusammentreffen bestärkte mich darin, ihre Lebensgeschichten zu erzählen. Trotz ihres Alters waren die Männer rüstig und alert, manchmal auch humorvoll und witzig. Sie sprachen leidenschaftlich über ihre Aufgaben im Gefangenenlager und ihre Fluchtversuche, aber auch mit grosser Demut über die Qualen, denen sie ausgesetzt waren. Ich fühle mich geehrt, dass ich diese Gespräche filmen dufte.

Ehrung der Kriegsgefangenen von Wauwilermoos im Pentagon.

Bildlegende: Ehrung der Kriegsgefangenen von Wauwilermoos im Pentagon. James Varhegyi

Nur Gerüchte über das Straflager

Wenn man in Publikationen zur Schweizer Geschichte etwas über die Internierung in Wauwilermoos sucht, erkennt man bald, dass dieses Thema kaum vertieft untersucht worden ist. Der Fall Wauwilermoos macht klar, dass es über das Straflager im Luzerner Mittelland eigentlich nur Gerüchte gab, wenn nicht sogar eine Art Omertà, ein Schweigegebot.

Im April 2014 – fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs haben die Amerikaner das Schicksal der Internierten mit Pauken und Trompeten ins öffentliche Gedächtnis zurückgerufen. Es ist ebenso wichtig, dass ihre Geschichte auch in der Schweiz erzählt wird.

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Ein US-Pilot erinnert sich an seine Notlandung

1:07 min, vom 21.10.2015

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Daniel Wyss *1978 in Quito/Ecuador. Sein Vater ist Schweizer, seine Mutter Ecuadorianerin. Er lebt seit 1991 in Lausanne und arbeitet als Cutter und Regisseur.

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