Woran starb Jassir Arafat?

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Um den Tod des legendären Palästinenserchefs kursieren wilde Verschwörungstheorien. Hatte Jassir Arafat Aids? Wurde er mit Polonium vergiftet? Nun wurde Ende November 2012 sein Leichnam exhumiert. Mitarbeiter der palästinensischen Autonomiebehörde öffneten sein Grab.

Mitte Oktober 2004 lebte der damals 75jährige Arafat unter Hausarrest, als er plötzlich erkrankte. Schwerer Durchfall, ständiges Erbrechen, rapider Gewichtsverlust: Arafats Leibärzte konnten ihrem Patienten keine Linderung verschaffen. Nach zwei Wochen erlaubte Israel seinem einstigen Erzfeind die Ausreise. Die Bilder, wie ein abgemagerter Arafat sich tapfer lächelnd zu einem wartenden Hubschrauber schleppte und ein letztes Mal seine Anhänger grüsste, gingen um die Welt.

Verschwörungstheorien machen die Runde

Der schwerkranke PLO-Führer wurde nach Frankreich geflogen. Zwei Wochen später starb er dort in einem Militärkrankenhaus. Die Frage nach der Art der Infektion, die Arafat Tod verursacht hatte, liessen die Ärzte offen. Und so machten, kaum war er unter der Erde, Verschwörungstheorien die Runde. Die gängigste ist, dass Israel ihn vergiftet hat. Denn nach Ausbruch der zweiten Intifada hatte der damals neu gewählte Ministerpräsident Ariel Sharon öffentlich gedroht, Israel könne die Tötung Arafats nicht ausschliessen.

Schweizer Institut findet erhöhte Polonium-Werte

Bis heute ist ein Grossteil der Palästinenser überzeugt, dass der PLO-Führer ermordet wurde - auch Arafats Witwe Suha. Deshalb gab sie im Sommer 2012 dem Nachrichtensender Al Jazeera die Kleider ihres Mannes zur Untersuchung. Nach neunmonatiger Recherche wurden die Ergebnisse präsentiert. Demnach fanden Wissenschaftler des Schweizer Instituts für Strahlenphysik in Lausanne erhöhte Polonium-Werte in Arafats Hinterlassenschaften. Seine Unterwäsche, eine Zahnbürste, sogar eins seiner legendären Palästinensertücher sollen bis zu zehnmal so viel vom radioaktiven Element enthalten wie Vergleichsgegenstände. «Ich bestätige, dass die mit Arafats Körperflüssigkeiten befleckten Gegenstände nicht erklärbare erhöhte Werte von Polonium 210 aufweisen», sagt der Institutsdirektor François Bochud im Film.

Im November 2012 liess Arafats Witwe die sterblichen Überreste ihres Ehemannes exhumieren. Bis die Resultate der Untersuchungen feststehen, können Monate vergehen. Und wegen der kurzen Halbwertszeit von Polonium ist unklar, ob nach der langen Zeit eine derartige Vergiftung noch stichhaltig nachgewiesen werden kann.