Antibiotikaresistenz: unsichtbar und umso gefährlicher

Sie sei «die grösste Bedrohung für die Gesundheit der Schweizer», sagen Experten und doch fehlt die flächendeckende Überwachung. Sie ist ein normales, natürliches Phänomen und doch zum grossen Teil menschgemacht: die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika.

Petrischalen mit Bakterienkolonien.
Bildlegende: Welche Bakterien wachsen heran? Welche Resistenzen sind vorhanden? Wichtig zu wissen, wenn’s um den Kampf gegen die Antibiotikaresistenz geht. colourbox.com

Bereits Alexander Fleming, der schottische Entdecker des Penicillins, warnte davor: «Irgendwann wird jeder Penicillin kaufen können. Auf die Gefahr hin, dass Unwissende Penicillin zu niedrig dosiert einnehmen und so resistente Keime heranzüchten», sagte Fleming 1945, als er in Stockholm mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Die düstere Zukunft

Heute gibt es zahlreiche Antibiotika. In der Human- und der Tiermedizin werden sie gegen bakterielle Infektionen eingesetzt. Effizient, meist ohne grosse Nebenwirkungen, günstig zu haben. Doch die Erfahrung zeigt: Nur wenige Jahre nachdem jeweils ein neues Antibiotikum auf den Markt kommt, entwickeln sich schon Resistenzen dagegen. Denn je mehr Antibiotika wir einsetzen, desto schneller bilden sich Resistenzen.

Uns droht die post-antibiotische Ära. Eine Zeit, in der eine Lungenentzündung einen monatelangen, umständlichen und teuren Spitalaufenthalt, eine Blutvergiftung und den Tod bedeuten können. Darüber sind sich Infektiologen einig.

Zusammen die Wende schaffen

Lösen kann das Problem der resistenten Keime niemand einfach so. Zu gross ist die Zahl der involvierten Akteure, zu vielschichtig die Problembereiche. Und als Gegenspieler nicht eine Krankheit oder ein einzelner Erreger, nein, der Gegenspieler heisst: Darwinismus, die natürliche Auslese, der natürliche Überlebenswille des Bakteriums.

Ob Humanmedizin, Veterinärmedizin oder Forschung, jeder schiebt dem anderen den schwarzen Peter zu. Ist die Veterinärmedizin schuld, die in der Schweiz pro Jahr über 50 Tonnen Antibiotika einsetzt? Oder die Humanmedizin, die zu fahrlässig mit dem Verschrieb des Medikaments umgeht? Oder die Pharmaindustrie, die sich weigert, neue Antibiotika zu erforschen? Oder gar der Patient, der mit seiner Reiselust unbemerkt resistente Keime in die Schweiz schleppt?

Die Sendung «Doppelpunkt» zeigt, dass sich nicht ein Schuldiger finden lässt. Sie macht das komplexe Problem Antibiotikaresistenz hörbar und lässt Humanmediziner und Tiermediziner zu Wort kommen, Boden-, Pflanzen- und Wasserfachleute, Forscher, die neue Antibiotika suchen und solche, die ganz andere Wegen gehen. Auf alle diese Leute setzt der Bund mit der «Strategie Antibiotikaresistenz», denn nur zusammen schaffen wir es, dass Antibiotika auch in Zukunft für Mensch und Tier wirksam bleiben.

Redaktion: Brigitte Wenger