Ausgegrenzt und stigmatisiert: Menschen mit Behinderung in Nepal

«Sie sieht fast nichts, wie soll meine Tochter da heiraten?», fragt eine ältere Nepalesin mit bitterem Unterton. In Nepal sind körperliche und auch psychische Behinderungen ein Stigma. Rund 10 Prozent der Bevölkerung ist betroffen. Nach dem Erdbeben ist die Zahl angestiegen.

Eine Frau, die die linke Hand amputieren musste im Gespräch
Bildlegende: Sukumaya Maji vor ihrem Haus in Nepal im Gespräch SRF

Sukumaya Maji hat eine halbblinde Tochter und eine Schwiegertochter, die seit dem Erdbeben kaum mehr gehen kann. Auch sie selber hat eine körperliche Einschränkung. Sie verlor vor über 40 Jahren ihre linke Hand.

Trotzdem strahlt die 70-Jährige Zufriedenheit und Entschlossenheit aus. Sie erzählt aus ihrem Leben und wie wichtig gerade nach dem Erdbeben die Unterstützung durch Hilfsorganisationen war.

Kämpfen für ihre Rechte

Dass eine körperliche oder psychische Einschränkung noch immer als Stigma gesehen wird, bestätigt auch Manish Prasain von NFDN, der National Federation of the Disabled in Nepal. Die Dachorganisation setzt sich für die Rechte von Menschen mit einer Behinderung ein und kämpft dafür, dass das Gesetz in Nepal umgesetzt wird, das der UNO-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung entspricht.

Bei NFDN arbeiten ausschliesslich Leute, die entweder selber mit einer körperlichen Einschränkung leben oder betroffene Familienmitglieder haben.

Uma und ihr Weg zurück ins Leben

Die Zahl der Menschen mit einer Behinderung hat nach dem Erdbeben um mehr als 8000 Personen zugenommen. Seien es posttraumatische Störungen oder eine körperliche Einschränkung.

Uma Silwaor gehört dazu. Sie war zur Zeit des Erdbebens 19 Jahre alt und wurde von Trümmern eines zusammenstürzenden Hauses getroffen. Ihr rechtes Bein war so schwer verletzt, dass sie sich den Unterschenkel amputieren lassen musste. Die junge Frau ist heute dank einer Prothese wieder mobil und geniesst die Zeit mit Freunden und ihr Praktikum im Rahmen eines Studiums für soziale Arbeit.

32 Millionen aus der Glückskettensammlung

Nach dem Solidaritätstag für die Opfer des Erdbebens konnte die «Glückskette» die Arbeit der Partnerhilfswerke unterstützen. Die beiden Organisationen, die sich besonders für Menschen mit Behinderungen einsetzen, sind CBM Christoffel Blindenmission und Handicap International. Alle im Rahmen der Sendung «Doppelpunkt» besuchten Projekte stehen im Zusammenhang mit einem der beiden Hilfswerke.

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Die 21-jährige Uma lebt mit einer Unterschenkelprothese

0:46 min, vom 22.11.2017

Moderation: Regi Sager, Redaktion: Ladina Spiess