Das Glarner Hinterland - ein verlorenes Stück Schweiz?

«Das Glarner Hinterland hat die wirtschaftliche und touristische Vergangenheit hinter sich, aber die Zukunft noch nicht vor sich», sagen die Einheimischen. «Doch es kommt der Tag, an dem die rotierenden Zahnräder wieder einhängen.»

Schild der Gemeinde Glarus Süd.
Bildlegende: Geboren am 1. Januar 2011: die Gemeinde Glarus Süd. Keystone

«Glarus Süd», heisst die Gegend seit der grossen Gemeindefusion von 2006. Damals verschmolzen 17 Gemeinden zu einer Grossen. Seither kann man die Zukunft planen, so scheint es. Und das ist notwendig. Das Glarner Hinterland ist nämlich geprägt vom Wegfallen von Arbeitsplätzen, von Abwanderung und von Überalterung. Im Vergleich zu den beiden anderen Glarner Grossgemeinden Glarus und Glarus Nord, die dank der Geografie eine bessere Anbindung an den Metropolitanraum Zürich haben, liegt das Hinterland ein wenig abseits.

Unternehmer sehen Chancen
Trotzdem sehen Unternehmer für das Hinterland eine Chance und investieren laufend. Die Sendung «Treffpunkt» wirft einen Blick in den «Linthpark», eine ehemalige Spinnerei, die mit verschiedenen Betrieben zu neuem Leben erweckt wurde. Ganz in der Nähe hat der kleine Zirkus Mugg seinen Dauerstandplatz und sorgt dafür, dass die Gegend in der Restschweiz - zumindest da und dort - nicht vergessen geht. Auch touristisch und kulturell sind verschiedene Projekte in der Pipeline oder verwirklicht: Das umtriebige Kulturcafé «Bsinti» in Braunwald setzt mitten im Dorf einen Kulturpunkt. Ein Musikhotel soll die Musikwoche Braunwald noch attraktiver machen.

Für sich und doch weltoffen
Der Glarner im Hinterland lebt und denkt gerne für sich, sagt man. Trotzdem - und quasi als Kontrastprogramm - ist er gleichzeitig weltoffen. Seine Industrie ist globalisiert. Das kommt aus der Geschichte: Glarner pflegten schon im 15. Jahrhundert Handelsbeziehungen mit Oberitalien. Damit steht Glarus Süd - und überhaupt der ganze Kanton - im Weltwirtschaftsgewitter von Frankenstärke und internationaler Tiefzinspolitik.

Redaktion: Jürg Oehninger