Die Aussteiger vom Onsernonetal

Vor 50 Jahren - und noch bis Ende der 1980er-Jahre - gingen junge Deutschschweizer ins Tessin, um dort als Aussteiger ein neues Leben zu beginnen; der Konsumgesellschaft überdrüssig und fasziniert von den Ideen der 68er-Bewegung.

Filippo Rauber (67). mit langem Bart und Strohhut.
Bildlegende: Filippo Rauber (67): «Freiheit ist, wenn dir die Natur sagt, wann du Mähen gehen musst und nicht ein Chef.» SRF / Jürg Oehninger

Das Onsernonetal als Ziel des Tagtraums «1968»
«Make love not war», freie Liebe, leben in der Kommune, arbeiten, um zu leben und nicht leben, um zu arbeiten. Das war der Tagtraum, den die Generation der «1968er» träumte.

Für Aussteiger im Tessin war das abgelegene Onsernonetal wichtigstes Ziel: ein Tal mit steil abfallenden Flanken, undurchdringlichen Wäldern, einer schmalen Hauptstrasse mit schier unendlich vielen Kurven und lediglich ein paar hundert Talbewohnern.

Willkommen und argwöhnisch beäugt
Rund 200 Deutschschweizer fanden ab Ende der 1960er-Jahre den Weg dorthin. Bei der älteren Bevölkerung waren sie sehr willkommen. Deren Söhne und Töchter waren nämlich ihrerseits am Auswandern, hinaus aus dem engen Tal ohne grosse berufliche Perspektiven, nach Lugano, Locarno und weiter, um finanziell gesicherter Familie und Karriere aufbauen zu können. So gesehen, kamen die Cappelloni – die Langhaarigen – wie die Aussteiger genannt wurden, gerade recht. Jüngere Einheimische sahen die Einwanderer aber je länger desto mehr als Bedrohung. Die Stimmung war Ende der 1980er Jahre regelrecht aufgeheizt. Man wähnte sich im Kalten Krieg.

Die Menschen hinter den Klischees
Der «Doppelpunkt» hat ein paar Aussteiger der ersten Stunde sowie auch später Zugewanderte aufgespürt. In der Sendung erzählen sie von ihren Ideen und Träumen, wo sie diese umgesetzt haben, wo sie grandios scheiterten und wo sie heute stehen. Hinter den Klischees der ‘Cappelloni, der ‘Neorurali, der ‘Drogali' stehen sehr eigenständige und eigenwillige Biografien.

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Interview mit Ueli Pfenninger aus «DRS aktuell», 1989

2:17 min, vom 2.10.2017

Autor/in: Jürg Oehninger, Moderation: Regi Sager, Redaktion: Jürg Oehninger