Die digitale Welt auf dem Bauernhof

Digital überwachte Kühe, Melk- oder Futterroboter: Die digitale Vernetzung zieht auch auf dem Bauernhof ein. Diese Entwicklung fordert die landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten. Wie bereit ist die nächste Generation Bauern für die digitale Welt?

Ein älterer und ein jüngerer Mann auf dem Bauernhof mit einem Kälbchen
Bildlegende: Die Digitalisierung des Hofs überlässt Urs Jucker seinem Sohn Philipp. SRF

«Wir hinken der Entwicklung ein wenig hinterher», meint Ueli Vögeli, Direktor vom Strickhof, dem Kompetenzzentrum für Bildung und Dienstleistungen in Land- und Ernährungswirtschaft. Auf dem Strickhof werden unter anderem auch junge Landwirtinnen und Landwirte ausgebildet. Digitalisierung und «Smart Farming» sind zwar Themen, aber sie sind noch nicht im Lehrplan verankert.

Roboter für mehr Effizienz

Allerdings haben die Lernenden die Gelegenheit, auf dem Gelände des Strickhofs nebst dem konventionellen Melkstand auch den Umgang mit einem Melkroboter zu üben. Angelockt vom Kraftfutter, das der Roboter serviert, gehen die Kühe allein in den digitalisierten Melkstand. Beim Melkroboter wird das Euter geputzt, danach docken die Melkbecher des Roboterarms ohne jegliche menschliche Hilfe an die Zitzen an. Der Melkroboter ist 24 Stunden in Betrieb. Die Kuh kann für sich entscheiden, wann sie den Melkvorgang selbstständig einleiten möchte. Konventionell werden die Kühe zweimal am Tag gemolken, hier werden sie nun dreimal am Tag gemolken. Als Motivation gibt es für die Kuh im Melkstand eine Kraftfuttergabe, während der Automat sie melkt. Die Bauern benötigen dank den Robotern weniger Arbeitskräfte, die Personalkosten sinken und sie sind so zeitlich flexibler.

Forschung im Bereich «Smart Farming»

Der Melkroboter ist nur ein Beispiel für «Smart Farming». Fütterungsroboter sind ebenfalls bereits im Einsatz, sowie auch die digitale Überwachung der Kühe und dem GPS gesteuerten Traktor auf dem Feld. Und die Forschung der «Smart Farming»-Technologien geht weiter. Christina Umstätter, Agrarwissenschafterin an der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope in Tänikon forscht zum Beispiel an der Gesundheitsüberwachung der Kühe oder an digitalen Zäunen. Bis neue digitale Systeme einsatzbereit sind und dem Bauern tatsächlich Arbeitszeitentlastung bringen, braucht es jedoch weitere Forschungsarbeit und Tests, ist Umstätter überzeugt.

Verändertes Berufsbild

Durch die Digitalisierung verändert sich auch das Berufsbild des Landwirts. «Er wird immer mehr zum Unternehmer und Datenmanager», erklärt Professor Matthias Schick, Bereichsleitung Tierhaltung und Milchwirtschaft am Strickhof. Die Automatisierung bringt den Bauern Entlastung bezüglich der schweren körperlichen Arbeit, meint Schick. Aber die Veränderungen birgen auch Risiken: «Die psychische Belastung nimmt definitiv zu».
Die Einführung von «Smart Farming» hilft den Bauern, effizient zu produzieren. Die Anforderungen an die Qualität steigt, während die Preise für Milch und Fleisch sinken. Melkroboter helfen, die Milchleistung zu steigern und die Herde zu überwachen. Die Investitionen sind jedoch hoch: Ein Melkroboter zum Beispiel kostet rund 180'000 Franken, für einen Fütterungsroboter muss mit rund einer Viertelmillion gerechnet werden.

Zukunftsaussichten für Jungbauern

«Klauenschneiden und Plakenstechen»! Diese Arbeiten müssten dringend automatisiert werden. Mit einem Augenzwinkern formulieren vier junge Landwirte in Ausbildung ihre Zukunftswünsche. In der Ausbildung befassen sie sich jedoch nicht besonders intensiv mit «Smart farming». Die meisten von ihnen arbeiten auf Lehrbetrieben, auf denen die Digitalisierung kein grosses Thema ist. Sie alle wollen aber nach ihrer Ausbildung im Ausland auch Erfahrungen in diesem Bereich sammeln. Und sie sind sich einig: Trotz der teils faszinierenden Technik bleibt die Verantwortung für Hof und Umwelt in der Hand des Menschen.

Moderation: Joëlle Beeler, Redaktion: Ladina Spiess